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El Camino de las Estrellas

Vom Wollen und Wandeln

Hallo ihr lieben Weltenbummler und herzlich Willkommen auf meinem Blog „Carolina Travelina“.

Hier nehme ich Euch mit auf meine Pilger- und Abenteuerreisen, denn ich selbst finde es unglaublich schön und spannend via Blog, Magazinen und Büchern auch mal bei anderen Menschen mit-zu-reisen. Gerne könnt Ihr mich hier „Schritt für Schritt“ um die Welt begleiten.
Inspiriert zum Reisen hat mich vor etwa 5 Jahren das Buch: „Das große Los“ von Meike Winnemuth, welches mich dazu bewegt hat auch selber ein bisschen mehr und intensiver durch die Welt zu wandeln. Hierbei ging es mir vor allem darum auch an meinen Reiseorten meiner Umwelt gegenüber bewusster zu sein, also nicht nur den 1000 Tempel berührt und fotografiert zu haben 🙂 sondern auch an verschiedenen Orten zu leben, Freundschaften zu knüpfen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Letztes Jahr und nach ziemlich viel Hin- und Her, nach meinem ersten Staatsexamen, Krankheit, Praktika und sagen wir mal so schön plötzlichen Lebenskonzeptänderungsbedingungen hieß es jetzt:

Was tun mit meiner gewonnen Zeit? Wo will ich denn eigentlich hin? Was will ich erleben?

Eine liebe Freundin bat mich eine Liste zu schreiben mit all dem was ich immer mal tun wollte. Tjaaa und ratet mal was ich auf meine Liste schrieb? In der ersten Woche erstmal gar nichts. Ich wusste einfach gar nicht was ich „will“. Mein Wille war eher mit dem vermischt, was andere Menschen von mir erwarteten und mir empfahlen zu tun. Doch dann füllte die Liste sich Stück für Stück und, immer mehr Punkte kamen dazu, die meisten Ziele waren mir vorher gar nicht bewusst gewesen: Ich wollte das Springreiten anfangen (das letzte Mal ritt ich vor 15 Jahren…), ich wollte nach Russland und hier vor allem mit der transsibirischen Eisenbahn nach Sibirien und in die Taiga, ich wollte nach Namibia und die West Coast in den USA entdecken und zu guter Letzt wollte ich unbedingt auf den Jakobsweg.Und all das habe ich dann auch mit wahnsinnig viel Glück, einer Portion Organisation, einem Klecks Hilfe und einem Schuss Mut realisieren können.

Doch nicht Moskau, nicht Las Vegas, nicht die Nationalparks in Afrika haben mich nachhaltig verändert, sondern meine etwa 30-tägige Pilgerreise von Pamplona nach Santiago de Compostela.

Morgens auf dem Jakobsweg

Und da ich auch nach einem Jahr den Jakobsweg nicht aus meinem Kopf bekomme und hierbei vor allem nicht das unglaublich gute Gefühl, dass ich dort hatte – den „Jakobsweg-Spirit“, zieht es mich nun wieder zurück nach Spanien. Diesmal möchte ich meine Reise auch ganz pilgergetreu „richtig“ anfangen – wobei es, natürlich kein richtig oder falsch gibt – doch unter Jakobsweg-Pilgern meint man hiermit of Saint-Jean-Pie-du-Port.

Nun möchte ich also in SJP starten und Euch ein wenig auf der Pilgerreise mitnehmen, vielleicht kann ich ja den ein oder anderen dazu inspirieren sich ganz dem Motto „Ich bin dann mal weg“ dem Pilgerstrom anzuschließen, seinen Rucksack zu schnallen und sich von den Pyrenäen bis nach Santiago auf den Weg in die Welt und das Leben zu machen.


Hier geht es zum Beginn meines Jakobsweges 2018:

Camino Tag 0: „Le long de la route“

Und hier geht´s zu meinen Lieblingserlebnissen vom Jakobsweg 2017:

Über die Magie des Weges Teil I

Über die Magie des Weges Teil II

Rio de Janeiro: Eine Stadt wie keine

Was für eine Stadt! Ich dachte schon nach Buenos Aires hätte ich die beeindruckenste Stadt Südamerikas gesehen, doch dann kam Rio de Janeiro!

Ich habe mich wahrhaftig verliebt in diese raue Stadt am Meer, umringt vom Zuckerhut und umarmt von Cristos.

Die Stadt ist anders als alle andere Städte. Es scheint als würde die Natur die Stadt umwuchern und nicht anders herum. Felsen und Bäume umfassen Straßen in Santa Theresa oder auch in Lapa. Überall ist Natur; Blumen, Palmen, Felsen und das kristallblaue Meer. Und dann dieser Strand!! Copacabana ist unglaublich.

Wir hatten sehr gutes Wetter auf dem Zuckerhut, also werden dir paar Wolken am Strand verziehen ;)… Die Stadt ist bunt und lebt! Jede kleine Gasse scheint belebt. Und ich verstehe meinen Lieblingsautor Stefan Zweig, wenn er folgendes über Rio de Janeiro schreibt:

„Vor fast vierhundert Jahren, 1552, schreibt Tomé de Sousa, da er in Rio landet: Tudo é graça que dela se pode dizer. Man kann es eigentlich nicht besser ausdrücken als dieser rauhe Kriegsmann. Die Schönheit dieser Stadt, dieser Landschaft läßt sich wirklich kaum wiedergeben. Sie versagt sich dem Wort, sie versagt sich der Fotografie, weil sie zu vielfältig, zu unübersichtlich, zu unerschöpflich ist; selbst ein Maler, der Rio in seiner Gänze darstellen wollte mit all seinen tausend Farben und Szenen, käme in einem einzigen Leben nicht zu Ende. Denn hier hat die Natur in einer einmaligen Laune von Verschwendung von den Elementen der landschaftlichen Schönheit alles in einen engen Raum zusammengerückt, was sie sonst sparsam auf ganze Länder verteilt und vereinzelt. Hier ist das Meer, aber Meer in allen seinen Formen und Farben, grün anschäumend am Strand von Copacabana von der unendlichen Ferne des Atlantischen Ozeans, bei Gávea wieder grimmig aufspringend an einzelnen Felsen und dann wieder in Niterói glatt und blau an den flachen Sandstrand sich schmiegend oder die Inseln zärtlich umschließend. Da sind Gebirge, aber jeder Gipfel und Hang anders geformt, schroff, grau und felsig der eine, umgrünt und weich der andere, spitz gestellt der Pão de Açúcar und wie von einem gigantischen Hammer flach geschlagen die Höhe von Gávea, hier zerrissen und zerzackt die Bergkette des Dedo de Deus, des Fingers Gottes. Jeder seine eigene Form eigenwillig bewahrend und doch alle in brüderlichem Kreise sich verbindend. Da sind Seen wie die Lagoa Rodrigo de Freitas und der von Tijuca, die die Berge, die Landschaft und gleichzeitig die elektrischen Linien der Stadt spiegeln, da sind Wasserfälle, kühl und schäumend aus den Felsen fallend, da sind Bäche und Flüsse, Wasser in allen seinen unfaßbaren Formen. Da ist Grün in allen Farben, Urwald bis knapp heran an die Stadt mit wuchernden Lianen und undurchdringlichem Dickicht, da sind Parks und gepflegte Gärten, die jeden Baum, jede Frucht, jeden Strauch der Tropen in scheinbarem Durcheinander und doch weiser Ordnung vereinen. Überall ist die Natur eine überschwengliche und doch harmonische, und inmitten der Natur die Stadt selbst, ein steinerner Wald, mit ihren Wolkenkratzern und kleinen Palästen, mit ihren Avenuen und Plätzen und farbig orientalischen Gäßchen, mit ihren Hütten und gigantischen Ministerien, mit ihren Badestränden und Kasinos – ein Alles-Zugleich, eine Luxusstadt, eine Hafenstadt, eine Geschäftsstadt, eine Fremdenstadt, eine Industriestadt, eine Beamtenstadt. Und über dem allen ein seliger Himmel, tiefblau des Tags wie ein riesiges Zelt und nachts besät mit südlichen Sternen; wo immer der Blick in Rio hinwandert, ist er von neuem beglückt.
Es gibt – wer sie einmal gesehen, wird mir nicht widersprechen – keine schönere Stadt auf Erden, und es gibt kaum eine unergründlichere, eine unübersichtlichere. Man wird nicht fertig mit ihr. Schon das Meer hat in einem sonderbaren Zickzack die Strandlinien gezogen und das Gebirge ihr in den Raum der Entfaltung steile Hänge geworfen. Überall trifft man auf Ecken und Kurven, alle Straßen schneiden sich in unregelmäßigen Formen, unablässig verliert man die Richtung. Wo man zu Ende zu sein glaubt, stößt man auf einen neuen Anfang, wo man eine Bucht verlassen, um in den Kern der Stadt zu dringen, gelangt man überrascht an eine andere Bucht. Auf jedem Weg entdeckt man etwas Neues, einen überraschenden Durchblick von den Hügeln, einen kleinen, wie aus der Kolonialzeit vergessenen Platz, einen Markt, einen palmenbestandenen Kanal, einen Garten, eine favela. Wo man hundertmal vorbeigegangen, findet man, wenn man aus Versehen eine Nebengasse nimmt, sich in einer anderen Welt: es ist, als ob man auf einer Drehscheibe stünde, die einen ununterbrochen zu anderen Ausblicken bringt. Dazu kommt noch, daß sich die Stadt mit einer radikalen Geschwindigkeit von Jahr zu Jahr, ja von Monat zu Monat verändert. Jemand, der ihr einige Jahre ferngeblieben, braucht geraume Zeit, um sich wieder zurechtzufinden. Man will einen Hügel hinauf, wieder einmal die alten romantischen Quartiere mitten in der Stadt zu sehen, und findet ihn nicht: er ist einfach abgeräumt, und ein mächtiger Boulevard, rechts und links von zwölf Stock hohen Häusern flankiert, durchquert die alte Stelle. Wo ein Felsen den Weg sperrte, ist jetzt ein Tunnel, wo das Meer zutraulich bis an den Strand kam, ein Flugplatz weit ins Meer gebaut, wo man vor drei Monaten noch an einer abgelegenen Küste im leeren weichen Sand hinstapfte, steht eine ganze Villenkolonie; all das geht hier mit traumhafter Geschwindigkeit. Überall geschieht etwas, überall ist Farbe, Licht und Bewegung, nichts wiederholt sich, nichts paßt zusammen, und doch paßt alles zusammen. Spazierenschlendern – in anderen Großstädten unergiebig und kaum mehr möglich – ist hier noch eine Lust und eine tägliche Entdeckungsfreude. Wo immer man sich befindet, überall wird dem Blick eine Wohltat getan. Man geht zu einem Freunde und schaut im Gespräch vom sechsten Stock zufällig aus dem Fenster: breit und majestätisch, wie man sie nie gesehen, breitet sich die Bucht mit ihren schimmernden Inseln und gleitenden Dampfern vor einem aus. Man tritt in derselben Wohnung in ein rückwärtiges Zimmer, und fort ist das Meer, aber entgegen glüht einem das Kreuz des Corcovado und die dunklen Gestalten der Sterne. Stundenweit glänzen die Lichter der Straße, und zugleich sieht man, wenn man sich vom Balkon vorbeugt, unten in ein Negerdorf mit kleinen Hütten und farbigen Lichtern hinein. Man will zur Stadt fahren, und der Weg geht quer über einen Berg; jeden Augenblick bittet man den Freund, der den Wagen chauffiert, anzuhalten, um einen andern überraschenden Ausblick nicht zu versäumen. Man will in ein Vorstadtviertel, um sich dort an den bunten kleinen Läden zu erfreuen, und findet sich plötzlich zwischen großen feudalen Palacetes mit hundertjährigen Gärten. Man fährt bei Santa Teresa mit der Tram den Berg hinauf, um ganz in der einsamen Natur zu sein, und ist plötzlich auf einem Aquädukt aus dem achtzehnten Jahrhundert und ein paar Minuten später inmitten einer Gruppe steiler Mietshäuser. In einer Viertelstunde kann man vom funkelnden Ufer des Meers auf einer Bergspitze sein, in fünf Minuten aus einer Luxuswelt in der primitivsten Armut der Lehmhütten und wieder mitten im kosmopolitischen Getriebe von blitzenden Cafés und zwischen einem Malstrom von Automobilen – alles geht hier durcheinander, ineinander, kreuz und quer, arm und reich und neu und alt, Landschaft und Kultur, Hütten und Wolkenkratzer, Schwarze und Weiße, altväterische Lastkarren und Automobile, Strand und Fels und Grün und Asphalt. Und all das glänzt und glüht in denselben vollen und blendenden Farben, schön das eine und schön das andere, beides immer neu durchmischt und immer faszinierend. Nie wird man müde, nie hat man genug. Nie hat man das volle Profil der Stadt erfaßt, denn sie hat Dutzende, nein Hunderte. Sie ist immer anders von jeder Seite, von jeder Fläche, von jeder Perspektive, anders von innen, von außen, von oben, von unten, vom Berg, vom Meer, von der Straße, vom Flugzeug, von der Fähre, anders von jedem Haus und anders von jedem einzelnen Stockwerk und jedem Zimmer dieses Hauses. Wer von Rio kommt, dem scheinen in allen anderen Städten dann alle Farben ohne Leuchtkraft, die Menschen auf der Straße monoton, das Leben zu ordentlich, zu einheitlich. Alles nach dem ist Ernüchterung, Abschattung nach diesem Rausch von Farben und Formen, nach der göttlichen Vielfalt dieser Stadt.
Man kann leben in Rio, wie man will. Der Gedanke ist verführerischer als anderswo, hier reich zu sein, in einem dieser von Parks umschlossenen Traumhäuser auf den Hügeln von Tijuca zu wohnen, und es ist doch gleichzeitig leichter hier, arm zu sein, als in einer anderen Großstadt. Das Meer ist frei für das Bad, die Schönheit frei für jeden Blick, die kleinen Notwendigkeiten des Daseins billig, die Menschen freundlich und unerschöpflich die Vielfalt jener kleinen täglichen Überraschungen, die einen glücklich machen, ohne daß man wüßte warum. Etwas Weiches und Entspannendes liegt hier in der Luft, das einen weniger kämpferisch, vielleicht auch weniger energisch sein läßt. Immer ist man hier der Empfangende in Schauen und Genießen, und unbewußt kommt einem von dieser Landschaft eine geheimnisvolle Tröstung wie immer von dem Schönen und Einmaligen auf Erden zu. Nachts mit ihren Millionen Sternen und Lichtern, tags mit ihren hellen und grellen, ihren heißen und explodierenden Farben, in der Dämmerung mit ihrem leisen Nebel und Wolkenspiel, in ihrer duftenden Schwüle und in ihrem tropischen Wetterguß, immer ist diese Stadt zauberhaft. Je länger man sie kennt, um so mehr liebt man sie, und doch, je länger man sie kennt, um so weniger kann man sie beschreiben.“

– Stefan Zweig in „Brasilien – Ein Land der Zukunft

Diese Stadt ist eine Wucht. Sie ist alles in einem; arm und reich, schön und hässlich, natürlich und extravagant, hoch und niedrig, voll und leer, purer Luxus und die ärmsten Favelas. Ohne jede Wertung ist Rio de Janeiro einer der beeindruckensten Städte der Welt für mich.

Man hat den schönsten Blick der Welt auf einer Seite. Und dann einen der traurigsten Blicke in die Türme von Favelabauten auf der anderen. Rio de Janeiro ist nicht wirklich fassbar. Hier hat die Natur die Stadt bestimmt.

Neben der Natur, findet man unglaublich viel Straßenkunst. Und einer der Hauptsehenswürdigkeiten sind die Stufen „Escadaria Selarón“. Dies  ist eine Treppe, die derzeit aus über hunderten  Stufen besteht und mit bunten Fliesen zahlreicher Länder verziert wurde. Neben asiatischen, chilenischen, afrikanischen und vielen vielen Fliessen mehr, konnten wir auch ein paar deutsche Fliessen finden.

Und wen habe ich in Rio getroffen? Heidi, die Weltenbummlerin aus Ilha Grande. Als wir gegen Abend in ein kleineres Restaurant an der Copacabana gingen, saß dort auch Heidi und die Freude war natürlich groß!

Liebste Grüße!

Ilha Grande: Paradies auf Erden

Einer der schönsten Orte der Welt ist für mich nun definitiv Ilha Grande. Und da ich gestern die „berühmte“ Palme umarmt habe, werde ich auch auf jeden Fall zurückkehren, denn man sagt, dass das Umarmen der Palme einen zurück auf die Insel bringt.

Jeden Morgen ging ich in dieses süße kleine Café mit dem wohl schönsten Ausblick, den man sich vorstellen kann und genoss hier Croissant und Cappuccino. Mehr Urlaub geht nicht!

Wenn man bei diesem Ausblick frühstücken kann, man fast nahezu immer Sonne hat, in türkis-blauem Wasser bunte Fische schwimmen und einer der schönsten Strände der Welt, Lopes Mendes, auf einen warten, weiß ich einfach, dass ich wieder kommen werde.

Außerdem habe ich ganz besondere Menschen kennen lernen dürfen. Zum einem Heidi, eine 72-Jährige Weltenbummlerin, die schon wirklich fast überall auf der Welt gelebt hat (Hawai, Teneriffa, Japan, Italien, Deutschland, USA, … ) und (natürlich) den Camino de Santiago gelaufen ist :). Und  Jeronimo, der eines der schönsten Häuser hat, die ich bis jetzt gesehen habe. Schaut euch dieses schöne Strandhaus an!

Dieses wunderschöne Haus, liegt in einer kleinen Bucht, nur wenige Minuten von der blauen Lagune, Blue Lagoon, entfernt. In der Lagune schwärmen tausende kleine bunte Fische in türkisblauem Wasser. Wirklich wunderschön!

Neben den beiden habe ich noch Karen und ihren Freund aus Argentinien, und eine junge Brasilianerin kennen gelernt, die alle Anfang 30 und nach ihrem Studium beschlossen haben, dem heimischen Büro den Rücken zu kehren und sich auf Ilha Grande selbständig zu machen.

Lustigerweise hat der feste Freund, einer guten Freundin von mir, hier auf Ilha Grande 10 Jahre gewohnt und ist vom schönen Paradies in das eher nicht so schöne Darmstadt „geflohen“. Im Paradies lebt es sich nicht „paradiesisch“? Müsste man nicht gerade hier glücklich sein? Doch auch  Jeronimo erzählte mir, dass er hier auf Ilha Grande sehr alleine lebe, da seine Familie nach Wien ausgewandert sei und bezeichnete sich als „unglücklichen Menschen“. Und es ist natürlich eine Binnenweisheit, dass äußere Umstände nicht wirklich glücklich machen können. Doch es selbst mal zu erleben, selbst mal im Paradies gewesen zu sein, denn als das bezeichne ich Ilha Grande, ist irgendwie dann doch noch mal ganz anders.

Wir werden sehen, ob ich nicht auch eines Tages nach Ilha Grande auswandern werde. Also falls man mich eines Tages sucht, sollte man unbedingt im schönen Strandcafé auf Ilha Grande vorbeischauen … Mit der lieben Heidi habe ich keine E-Mailadresse ausgetauscht, da sie davon ausgeht, dass wir uns in Rio de Janeiro wieder begegnen werden. Mal sehen, ob es stimmt!

Ab nach Rio de Janeiro!

Paraty: Kolonialstadt am Meer

Paraty ist eine Stadt voller Geschichten, wunderschöner Häuser im Kolonialstil, unglaublich tollen kleinen Läden junger Designer und einfach ein perfekter Ort, um ein Wochenende voller Spaß, gutem Essen und dem ersteigern einiger Souvenirs zu verbringen.

Ich bin froh, dass nach dem anstrengenden Sâo Paulo, Montevideo und Buenos Aires alles ein bisschen gemütlicher wird. Und ich dachte schon in Colonia del Sacramento in Uruguay, dass es gar keine schönere Kolonialstadt geben könne, doch Paraty ist wie Colonia und dennoch 100-Mal schöner 🙈.

Etwas entfernt von Paraty und dennoch sehr gut im Local-Bus zu erreichen, liegt die Hippie-Stadt Trinidade.

Und wir hatten wirklich Glück! Neben super leckerer Fejoada (in etwas abgewandelter Form), dem Nationalgericht Brasiliens, gab es Cachaça for free. Die netten Kellner boten uns an, sich an der Cachaça-Bar zu bedienen und das haben wir dann auch gerne gemacht :).

Liebe Grüße aus dem schönen Brasilien! Und noch ein letztes Bild aus Paraty, der schönen Stadt am Meer:

Iguassú: Weltwunder

Endlich sind wir in Foz de Iguassú. Und auch am Dreiländerdreieck zwischen Paraguay, Argentinien und Brasilien. Und ich möchte hier gar nicht so viel über die Schönheit der Wasserfälle schreiben, denn nicht umsonst gehört Iguassú zu einem der wichtigsten Naturweltwunder. Man kann nicht wirklich in Worte fassen, was man sieht. Schaut euch einfach folgende Bilder an und seht diese beeindruckenden Fälle, die in unendliche Tiefen zu fallen scheinen.


Das obige Bild ist von der brasilianischen Seite, das folgende von der argentinischen:


Leider muss ich sagen, dass neben Wassermassen auch Touristenmassen unterwegs waren. Und wenn man bei kurzem (reinem) Anblick des Naturspektakels angesprochen wird, doch nun endlich ein Foto zu schießen oder Platz zu machen, fragt man sich wann man denn wirklich das genießt was man sieht? Und wer tut es noch? Schießen wir nicht mehr Fotos als den reinen Moment zu genießen?


Ich mache es nicht besser und wahrscheinlich genauso wie die anderen, aber es hat mich hier am Iguassú wirklich ein wenig geärgert …

Nun wird noch ein wenig der Wasserfall genossen und dann geht es weiter ❤.

Mercedes: Einfach leben

Einfach leben. Hier auf der Estancia in Uruguay fällt das nicht schwer.

Eine Estancia ist so etwas wie eine Ranch und es gibt hier kein WLAN, kein wirklich warmes Wasser und auch sonst nicht viel, doch trotzdem oder gerade deshalb waren die paar Tage hier auf der Ranch richtig schön.

Zum ersten Mal im Leben ging ich angeln und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, als dann wirklich etwas anbiss.

Außerdem gingen wir reiten, backten Empanadas, machten Stockbrot am Lagerfeuer und genossen die Zeit vor Iguassú, dem Weltwunder Brasiliens, was wir in einigen Tagen besuchen werden.

Bei Lagerfeuer und Kerzenschein hatten wir eine wirklich tolle Zeit und beim Betrachten der Bilder sehe ich noch einmal mehr, wie schön es auf der Estancia war.

Ich konnte mich gar nicht entscheiden welche tollen Bilder ich euch zeige, aber das wird sicher nochmals schwerer in Iguassú.

Denn nun ist die Zeit in Uruguay vorbei und es geht per Nachtbus und 19-stündiger Busfahrt weiter nach Brasilien und von dort nochmals auf die argentinische Seite der Wasserfälle. Ich bin wirklich dankbar für diese tollen Erlebnisse, denn letztes Jahr war ich mir fast sicher, dass nach meinen Reisen nach Russland, die USA und dem Jakobsweg bestimmt nicht mehr so viel erlebt werden kann, aber das stimmt wohl nicht :).

Bin sehr gespannt auf Rio, Iguassú, Paraty und Ilha Grande. Und es kommt mit vor, als wären Monate vergangenen seit dem ich in Lissabon war. Liebe Grüße an dieser Stelle an Luis, dem Hostelkoch aud Lissabon.

@Luis: Gracias por tu mensaje y gracias por acompañarme en mi Blog! Te enseñó un abrazo de América del Sur!

Montevideo: Auf der Sonnenseite

Montevideo, die uruguayische Hauptstadt ist ein bisschen so wie Monaco und etwas entfernt in Puente del Este, wohnen die reichsten der reichsten Uruguays.

Was und hier in den letzten Tagen aufgefallen ist, sind zwei Dinge:

  1. Mate, Mate, Mate
  2. Überfüllte Banken

Zu dem Mate-Tee gibt es morgen auf der Estancia in Mercedes ein schönes Bild. Mate-Tee ist eine Art Grüntee, der hier zu jeder Zeit getrunken wird. In Montevideo laufen zahlreiche Menschen mit Teebecher mit „Strohhalm“ und Thermoskanne unter dem Arm herum.

Das zweite, was uns hier auffällt sind die Banken. VISA gibt 10-25% Rabatt (auf alles in allen Läden!!!) wenn man mit Karte zahlt. Zum anderen gibt es lange lange Schlangen an Bankschalter. Was ich mir hier zusammen reime (in Anbetracht des Währungsfalles des brasilianischen Reales vor zwei Wochen) ist, dass entweder gerade schon, oder aber in den nächsten Tagen/Wochen ein kleiner Crash bevorsteht, da der Staat/die Banken versuchen Bargeldauszahlungen mehr und mehr zu beschränken und Kartenzahlungen bevorzugen, aber das ist nur meine Meinung. Mal schauen, was kommt 🙂 .

Nun aber zum Fussball ⚽. Wo war die erste WM der Welt?

Genau, 1930 in Uruguay in Montevideo! Deswegen musste natürlich das Stadion besucht werden, wenn auch mit einem anderen Trikot (natürlich nur mit argentinischem Messi-Shirt, was einige Arbeiter hier im Stadium nicht gut aufnahmen 🙈!).

Montevideo hat außerdem eine schöne Altstadt und einen kleinen Hafen. Wir waren etwa 7h mit dem Fahrrad unterwegs und sind total geschafft.

Das war es erstmal aus Montevideo. Morgen geht es für ein paar Tage auf eine Ranch in die Nähe von Mercedes/Uruguay.

Colonia del Sacramento: Vergangene Zeiten

Colonia del Sacramento ist eine schöne, kleine verschlafene Kolonialstadt am Wasser und nur einige Stunden von Buenos Aires entfernt. Willkommen in Uruguay!

Kleine hübsche Kacheln zieren die Hauswände und auf breiten Alleen parken so einige Oldtimer.

Uruguay ist bekannt als „Schweiz Südamerikas“, was man vorallem an den Preisen merkt; alles ist unglaublich teuer! Eine kleine 0,5Liter Wasserflasche unter 1,30€ habe ich hier nicht gefunden.

Aber Colonial del Sacramento ist auf jeden Fall eine schöne Ablenkung nach dem hektischen Buenos Aires!

Am späten Nachmittag wurde dann „Fernet con Coca“, das uruguayische „Nationalgetränk“ getrunken. Hier muss ich ein bisschen schmunzeln, da „Nationalgericht“ auch Chivitos sind. Und Chicitos sind belegte Brötchen…

Aber dafür ist hier alles ganz entspannt, was vielleicht auch mit dem staatlichen und legalem Anbau von Marihuana liegt, das hier öfters, jedoch nicht so oft wie erwartet, in der Luft liegt…

Neben dem Fernet wird hier aber vor allem Mate-Tee getrunken. Überall wo man schaut, laufen Jung und Alt mit Matebechern durch die Gegend, aber dazu morgen mehr und angeblich gibt es auch eine Sprache des Mate …

Buenos Aires: Mafalda, Tango, Alfajor

Buenos Aires; die „guten Lüfte“ hatten wir hier leider nicht. Dafür ein paar dennoch schöne Regentage in der argentinischen Hauptstadt. Trotz Regen, Wolken und Kälte möchte ich auf jeden Fall wieder kommen; oder vielleicht gerade deshalb?

In Buenos Aires begeistert die Vielfalt der einzelnen Stadtviertel; das früher noble San Telmo in dem jetzt jeden Sonntag allerlei Antiquitäten gekauft werden können, das Tango und Graffiti-Viertel La Boca mit dem berühmten Stadion der La Boca Juniors, das Viertel Ricoleta mit dem berühmten Friedhof auf dem einige Gräber kleinen Mausoleen gleichen und dann unter anderem natürlich noch Palermo.

Buenos Aires ist eine Stadt der Gegensätze, was man nicht nicht nur in den besagten Stadtviertel, sondern auch in der Politik und Geschichte der Stadt sieht. Argentiniens dunkle Geschichte der Diktatur und dem verschwinden zahlreicher Erwachsenen und gerade auch Kinder bewegt auch heutzutage noch viele Mütter der „Niños Perdidos“ auf den Platz vor dem Casa Roseada zu Protestmärschen. Auf dem Boden sieht man weiße Tücher auf den Stein gemalt, die Babytücher der verlorenen Kinder symbolisieren.

Und dann gibt’s natürlich auch die bekannte Figur der Mafalda. Des ständig fragenden Mädchens nach dem „Warum?“.

Und natürlich natürlich, den ganzen politischen Diskurs beiseite gibt es hier in Buenos Aires eines: FLEISCH!

Asado – das frisch gegrillte Fleisch vom Rind oder Schwein bekommt man hier überall. Wobei natürlich das argentinische Rindersteak sehr berühmt ist. Und auch wirklich sagenhaft lecker schmeckt!

Über „La Boca“ heißt es das hier der Tango erfunden wurde. Ursprünglich war der Tango eine Art des Kampfes bis er hier in La Boca zum erotisch angehauchtem Tanz zwischen Prostituierten und Arbeitern wurde und im Laufe der Zeit zu dem was wir unter Tango verstehen.

Ich komme auf jeden Fall wieder, da zwei Tage für diese beeindruckende Stadt wirklich nicht ausreichen. Nun geht es weiter nach Uruguay!

PS: Alfajor ist übrigens eine Art doppelter Cookie mit Dulce de Leche und Schokoladenüberzug …. Mhhhmmm

Buenos Aires: Vamos Argentina

¡Vamos Argentina!

Auch nach dem Camino merkt man, dass der Weg, auf dem man tolle Menschen trifft, noch lange nicht vorbei ist. Wieviele Menschen kreuzen täglich unseren Weg? Wieviele Gesichter, Geschichten und Anekdoten, wieviele Persönlichkeiten? Da ist ein Flughafen, wie ein Drehkreuz der verschiedensten Begegnungen.

Habe eben durch Zufall den argentinischen Kommentator der Fussball-WM getroffen. Aufgrund einiger Flugänderungen und Verspätungen ist er nach 4 Tagen in Sâo Paulo gelandet. Da ich sowieso vorhabe eines Tages zur WM zu fahren, war es super spannend zu hören wie die diesjährige WM war (Argentinien ist ja im Achtelfinale ausgeschieden…). Und die WM in Russland soll richtig toll gewesen sein :). Federico hat ganz begeistert von der russischen Gastfreundschaft, dem wohl schönen Kasan, Warink und Palemeni erzählt. Es muss toll sein, die ganze Welt auf einem Haufen zu haben. Und ich als bekennender Lionel-Messi-Fan, habe auch ein kleines Andenken von ihm bekommen 😍. Die Entscheidung steht; Qatar ich komme in 2022! Und hoffentlich ist Messi dann noch dabei!

¡Vamos Argentina!

¡Y nos vemos en Qatar Federico!

Sâo Paulo: Umbanda, Tarot & Pâo de Queijo

„Sâo Paulo ist nicht Rio.“ Ist das erste was meine Pilgerfreunde nach meiner Ankunft in Brasilien über SP sagen und das zweite: „Sâo Paulo ist ein Gourmet-Himmel!“ Fühle mich als hätte ich in den letzten 2 Tagen ein bis zwei Kilos zugenommen. Denn gestartet wird der Tag mit himmlischen Pâo de Queijo, Croissants, Tapiocas und Sanduiches. Mhmmm.

Pâo de Queijo ist ein weiches Käsegebäck mit dem man in Europa bestimmt reich werden würde. Allgemein gibt es hier Delikatessen, die bei uns sehr sicher den einen oder anderen Magen füllen würden und einen Hype auslösen könnten. Habe nun also ein Plan D für meine berufliche Laufbahn :).

Denn meine zweite kulinarische Idee ist, den zwar schon bekannten Mate Tee, in meinem zukünftigen Pâo-de-Queijo-Laden zu vermarkten, doch so, wie hier in Brasilien, denn wie hier habe ich ihn noch nie getrunken! Wirklich himmlisch!

Doch neben dem himmlischen Essen (Mittwoch ist städtischer Fejoada-Tag, was ein Glück) hat mich noch etwas anderes begeistert: Stellt euch vor ihr seid in China-Town, vor einer katholischen Kirche, vor der afroamerikanische, ältere Damen Tarotkarten legen, in Händen lesen und im benachbarten Umbanda-Laden Weihrauchstäbchen, Kruzifixe und Vodoo-Puppen verkauft werden. Genauso war es gestern. Ist das nicht unglaublich, was für eine religiöse Toleranz alleine in dieser einen Szene liegt? Leider habe ich kein Foto machen können. Aber es was wirklich beeindruckend.

Noch beeindruckender waren die Gesprächsthemen für mich, die ich hier in Sâo Paulo hatte. Spiritualität, Spirits, Umbanda, Out-of-Body-Erfahrungen, über all das wird hier oder wurde hier gestern in geselliger Runde offen gesprochen. Und nicht wie bei uns in Deutschland, wo Themen wie diese eher „sozialen Tabus“ unterliegen, hatte ich gestern die Gelegenheit mit 5 Absolventen der Higher School Of Economics drüber zu quatschen. Also nicht wie bei uns gerne als „Esoterikfreaks“ abgetanen „Spinnern“ (nicht meine Meinung …). Bei uns, wo vieles von den akademischen Eliten als „Humbuk“ abgetan wird, wird hier offen gequatscht, gestritten, diskutiert. Wirklich beeindruckend. Und vorallem, da es ein normales Gesprächsthema zu sein scheint.

Auch politische Themen wurden hier sehr offen besprochen. Vielleicht ist es einfach einfacher 1000-ende Kilometer entfernt von Europa von einem anderen Blickwinkel auf Politik und Gesellschaft zu schauen. Aber ich bin unglaublich dankbar, dass Reisen eben nicht nur Sightseeing ist, sondern Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt, zu Gesprächen einlädt, wir gemeinsamen lachen und diskutieren können. Meine Reise hat sich jetzt schon gelohnt, da ich so tolle Menschen kennen lernen durfte. Schon in Lissabon beim gemeinsamen Essen im Hostel, was wir bis 2 Uhr nachts hinzogen und nun hier auf einem Balkon, mit einer Zigarre in der Hand im lauten und vielleicht etwas stickigem Sâo Paulo.

Oben seht ihr meinen lieben Camino-Freund Leo vom Jakobsweg 2017. Und wie sollte es natürlich anders sein, wenn zwei „Pilger“ durch Sâo Paulo ziehen? Kaum an der Ampel nach rechts gedreht und wir entdecken in einem Kiosk ein Buch über den Jakobsweg. Mit dem schönen Camino-Zeichen. Vielleicht das einzige in Sâo Paulo?

Ultreia e buen Camino! Auf geht’s nach Argentina!

Lissabon: Pura poesia

Pessoa, Pessoa, Pessoa. An jeder Ecke, in den Buchläden der Stadt, den Cafés, den Plätzen. „Hier war Fernando Pessoa“. Wer also ist er, der größte portugiesische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts?

Er ist der Literat der Moderne, der Übersetzer der inneren Dichotomie (so heißt es). Er ist futuristisch und nostalgisch, euphorisch und depressiv. Er ist alles in einem. Pessoa selbst verwendete mehrere Synonyme wie Alberto Caeiro, Ricordo Reis und Álvaro de Campos. Alle mit einer eigenen Geschichte, einem eigenen Stil und doch alle nur einer: Fernando Pessoa.

Fernando Pessoa spricht einem aus der Seele. Simple Wörter, komplexe Strukturen, große Bedeutung:

„Uns, com os olhos postos no passado, vêem o que nâo vêem; outros, fitos

Os mesmos olhos no futuro, vêem o que nâo pode ver-se.

Porque tão longe ir pôr o que está perto – a segurança nossa?

Este é o dia, esta é a hora, este o momento, isto é quem somos, e é tudo.

…“

– Fernando Pessoa

Und immer sagt er : „Colhe O dia, porque és ele.

Lebe den Tag und den Moment, denn nur er ist dir gegeben und er ist was du bist.

Nun sitze ich also hier; verzichte auf Sintra und Bélem und genieße Pura Poesia: Pasteles de Nata und Pessoa.

Colhe O dia ❤

Lissabon: Zwischenstopp

Was eine wunderschöne Stadt! Von der TAP wurde mir angeboten ein paar Nächte für einen Zwischenstopp in Lissabon zu bleiben und da ich noch nie in Portugal war, musste ich das natürlich annehmen (zumal auch keine Mehrkosten entstehen und man einen Voucher mit ganz vielen Rabatten bekommt –> Geheimtipp ;)) Da ich keinerlei Erwartungen an Lissabon hatte, bin ich nun total begeistert von dieser schönen Stadt am Meer, die mich an eine Mischung aus Bologna und Barcelona erinnert. Mit mildem und dennoch warmen Klima, super-leckerem Essen, einer malerischen Altstadt und Museen wohin das Auge reicht.

Bekannt ist Lissabon ja auch für seine schöne Keramik, die hier und dort eine Hauswand schmückt und natürlich für … Fußball. Doch leider war hier nicht viel mit WM-Stimmung nach dem gestrigen Spiel …

Ganz gemütlich musste natürlich erstmal eine kleine Fahrt mit der berühmten Tram 28 unternommen werden, bevor es ins Castello Sâo Jorge und anschließend ins MAAT und ins Museum für zeitgenössische Kunst ging.

Und obwohl ich von moderner „Kunst“ wirklich nicht viel halte, fand ich diese Austellung richtig gelungen.

In mehreren weißen Räumen, schmückten realistische und puristische Fotografien die weißen, kahlen Wände – und das alles sogar gratis :).

Das schöne Viertel Chiade mit seinem französisch angehauchten Baustil und die Baixa zieren die Altstadt, welche durch seine kopfsteingepflasterten Straßen und dem Hoch und Runter des hügeligen Lissabons einen auch ein wenig ins Schwitzen bringt.

In Lissabon herrscht so eine Gemütlichkeit, die ich mit keiner anderen europäischen Hauptstadt vergleichen kann. Und natürlich muss nun die *Única Fábrica Pastéis de Belém* besucht werden, um ein paar kleine Vanillecremetörtchen (frisch aus dem Ofen) zu ergattern.

Und gerade als ich dachte, dass die Altstadt doch relativ klein ist, habe ich mich total verlaufen. Läuft man nämlich über das Barrio Alto und anschließend den Berg wieder hinab, ist man ganz schön unterwegs…:)

In unserem Hostel „Living Lounge Hostel“ kocht Luis jeden Abend ein 3-4Gänge Menü und abends geht es zum Pub Crawl oder zu einer melancholisch-schönen Fado-Tour. Die Lage zwischen Baixa und Chaido ist super, also eine absolute Empfehlung!

Übermorgen geht es dann weiter nach Brasilien 🙂

Auf geht’s nach …

Frankfurter Flughafen

Irgendwie geht es nun schon wieder los, obwohl es mir doch sehr so vorkommt, als ob ich gestern erst aus León und vom schönen Jakobsweg zurück gekehrt wäre. Und zwar geht es nach Südamerika und dort vorallem nach Brasilien, mit einem Abstecher nach Buenos Aires und Montevideo in Uruguay. Und eigentlich war natürlich alles wieder anders geplant, aber wie das mit mir und meinen Plänen nun so ist … Irgendwie wird immer alles anders, aber das ist ja auch irgendwie dann wieder ganz schön so :). Erster Abstecher wird, nach einem kleinem Zwischenstopp in Lissabon, Saô Paulo

Das Saô Paulo, von dem jeder dem ich erzähle, (egal ob zu Hause oder hier am Flughafen) sagt: „Na dann pass mal gut auf dich auf.“ Und das werde ich natürlich! Und vor allem werde ich den lieben Leo, ein Mitglied meiner Pilgerfamilie von 2017, besuchen. Er ist nun schon das dritte Mitglied unserer sechsköpfigen Camino-Familie, den ich nach Mai 2017 wiedersehen darf. Und ich hoffe, dass wir bald eine „Reunión“ der ganzen Jakobsweg-Familie zustande bringen. Mal schauen was 2019 bringen wird.

Erst einmal liebe Grüße und Sonnenschein aus Frankfurt am Main!

Carolina 💖

Nach dem Camino, Teil II

Über Mark Forsters „Auf dem Weg“ und zauberhafte Erinnerungen

Eigentlich sollte ich genau in diesem Moment gerade Lernen – doch dann bin ich auf dieses Bild gestoßen und dachte:

Ohh, bin etwa ich das?“

Durch Zufall habe ich ein Gruppenporträt von meinen lieben Camino-Freunden und mir entdeckt. Wer weiß wann und wo Lira, eine nette Koreanerin, die ich kurz hinter Estella-Lizarra traf, es gemalt hat. Und sie hat es und nicht einmal erzählt! (Lira, that´s amazing, thank you so much!). Auch dieses schöne Bild ist von ihr:

Hier seht ihr uns 5 Originale 🙂 – ganz links ist die Künstlerin zu sehen:

Dies war einer der schönsten und fast letzten Abenden des Caminos! Bin sehr dankbar, dass ich diese lieben Leute treffen durfte. Lira hat noch mehr Jakobsweg-Bilder gemalt und ich finde ihre Werke richtig toll! Schaut doch einfach mal auf ihre Seite: https://www.instagram.com/lira_kkori/

Gerade jetzt wo der Alltag uns alle wieder mehr und mehr einholt, die Erinnerungen, aber auch wir selber immer mehr in die Ferne rücken und uns nun auf unterschiedlichen Pfaden befinden – ist es so schön, von den zauberhaften Momenten des Caminos im Alltag begleitet zu werden.

Und das Vermissen des schönen Jakobsweges geht wohl nicht nur mir so, da ich vor einigen Tagen (und auch heute) Mails von Camino-Freunden bekommen habe, von denen ich seit Wochen oder Monaten nichts gehört hatte. So zum Beispiel von Pat aus Australien, die für mich etwas auf dem Cruz de Ferro ablegte, von Peter, den ich als allerersten Pilger an meinem allerersten Pilgertag in diesem Jahr auf dem Flughafen in Pamploina traf und dann aus den Augen verlor und von Andrea, einem netten Italiener.

Wusstet ihr, dass Mark Forster im Jahre 2009 den Jakobsweg gelaufen ist und in diesem tollen Lied seinen Jakobsweg verarbeitet hat?

„Ich weiß jetzt:
Auf dem Weg, auf dem ich lauf’,
bin ich an so vielem vorbeigerauscht,
auf dem Weg liegt, was ich such’,
Ich schau’ jetzt hin, ich lass’ es endlich zu.“
– Mark Forster, Auf dem Weg

Und hat er nicht Recht? Wer von uns wollte denn wirklich in Santiago de Compostela ankommen? Und wie sagt er auch so schön: „Es kann komm was will, ich bleib auf der Bahn. Ich suche das Ziel und komm nicht an.

Danke Mark Forster für diese schönen Jakobsweg-Gedanken.

Wenn der Prüfungsstress vorbei ist, werde ich auch wieder mehr zum Schreiben kommen und euch von meiner großen Südamerikareise erzählen, die schon in einigen Wochen ansteht. Das war alles ein bisschen spontan, aber ich freue mich den lieben Leo, den ich auf dem Camino 2017 kennen lernte, in Brasilien zu besuchen und mich dann weiter Richtung Uruguay und Argentinien aufzumachen.

Bis dahin euch alles Liebe !


@Lira, thank you so much for this beautiful picture and the beautiful memory you gave me! I miss you all very much and hug you!

Carolina Travelina

Nach dem Camino, Teil I

Nimm es dir nicht so zu Herzen

Kaum ist man wieder daheim und öffnet sein E-Mailpostfach nach wochenlangem (einigermaßen kontinuierlichem) offline sein , geht der Stress auch schon weiter beziehungsweise fängt wieder von vorne an. Und wie kann ich meinen Zustand der Tiefenentspannung in meinen Alltag einbauen? Auf dem Camino war es natürlich einfacher. Auch dort gab es unangenehme Situationen, mit denen man sich auseinander setzen musste. Doch man konnte auch „weiterlaufen“.

Ein spanischer Pilgerfreund sagte zu mir:

Carolina egal was passiert – nimm es dir nicht so zu Herzen. Du selbst gibst Dingen und Momenten eine Bedeutung. Du selber kreierst Stress. All das bist du. Versuche eine Art Schmetterling zu sein und halte dich nicht zu lange bei Orten, Blumen, Menschen auf, die dir nicht gut tun. Flieg weiter und nimm dir, bitte bitte, nicht alles so zu Herzen.

Und natürlich hat er Recht – wie immer. Leider. Was kann ich nun also tun, um mich durch den Alltagsdschungel zu schlagen? Gibt es eine Art Geheimrezept?

Mit meinem Pilgerfreund stellte ich ein paar einfache Regeln auf:

1. Nimm dir nichts zu sehr zu Herzen

Das heißt, dass das Gefühl, welches man nach dem Cruz de Ferro gewinnt – nämlich die Leichtigkeit – nach dem Ablegen des Sorgensteines nur dann im Herzen bestehen bleiben kann, wenn man locker lässt und sich keinen neuen Ballast auflädt. Das heißt nicht, dass man nichts ernst nehmen sollte. Doch man sollte immer Platz haben seine Flügel zu schwingen und den Windhauch der Leichtigkeit zu spüren.

2. Lebe den Augenblick & das Leben in Tageseinheiten

Diese Phrase ist sehr bekannt, sehr gängig und sehr sehr schwer durchzusetzen. Aber diese Phrase ist auch der Camino. „Unser tägliches Brot gib uns heute ….“. Diesen Satz griff schon Dale Carnegie in seinem Buch „Sorge dich nicht – lebe“ auf. Und er hat Recht. Um das tägliche Brot muss gebeten werden. Nicht um das Brot der nächsten Wochen, Monate und Jahre. Die Spanier sagen „poco a poco“/ Stück für Stück. Und für mich heißt das „Schritt für Schritt“. Deshalb habe ich auch meinem Blog den Namen „Schritt für Schritt um die Welt“ gegeben. Schritt für Schritt geht alles und das habe ich auch an meinem Tag 1 auf dem Jakobsweg gemerkt. Schritt für Schritt kam ich über die Pyrenäen. Schritt für Schritt kann wirklich jeder Berg gemeistert werden. Deswegen war ich auch froh über den Nebel und die schlechte Sicht, so musste ich die Gesamtheit der Mühe, des Berges nicht sehen – und konnte immer Schritt für Schritt, poco a poco, weitergehen.

3. Sei achtsam

Sei achtsam mit allem. Mit dem was du denkst, dem was du isst, mit den Dingen mit denen du deine Zeit verbringst. Gehe achtsam mit deinen Mitmenschen um. Und vorallem mit dir selbst! Und am aller wichtigsten; Achte auf deinen Camino und die Dinge, die dich leiten. Auf dem Jakobsweg ist es sehr einfach den richtigen Weg zu finden, denn es gibt die schönen Zeichen & Symbole, Pfeile und Muscheln, die uns nach Santiago de Compostela lenken. Aber ich denke genauso ist es auch im Leben. Es gibt immer kleine Wegweiser. Manchmal nur klitzekleine. Es sind kleine Zufälle oder große Zusammenführungen. Man kann an Fügung glauben, aber man muss es nicht.

Ich bin mir jedoch ganz ganz sicher, dass es immer kleine Wegweiser gibt, die einen auf die richtige Lebensspur lenken, wenn man ihnen Achtung schenkt –

Be-Achtung!

Ultreia ❤


Hier geht es zu meinem Abenteuer: Jakobsweg 2017 🙂

Camino Tag 16: Fazit

León, vor der Kathedrale & Madrid, Callao

Ich sitze gerade vor der Kathedrale in León und warte auf mein „Mind-Appointment“ auch wenn ich glaube, dass meine gedachte Verabredung wohl etwas zu spät war :). In der Zwischenzeit ist es nun Zeit ein Camino-Fazit für meinen Jakobsweg 2018 zu finden. Fleißige Leser haben bestimmt bemerkt, dass ich meinen kontinuierlichen Jakobsweg ab Burgos ein bisschen durcheinander gewürfelt habe. Von Santo Domingo de la Calzada ging es nach Astorga, von dort zu Fuß nach Ponferrada 2 Tage und heute zurück zu meiner Camino-„Crowd“ in León, den Menschen mit denen ich in Saint-Jean gestartet bin.

Glockenschlag drei und keine Pilgerverabredung hier, mist! Es wäre auch zu schön gewesen, wenn es ein Jahr später nochmals geklappt hätte. Nächstes Mal lasse ich mir wohl einfach die Telefonnummer geben …

Freue mich sehr, dass ich liebe Pilger aus Deutschland, Sebastian, Dana und Ralf durch Zufall in León wieder traf! So konnte man sich nochmals richtig verabschieden. Den Abend ließ ich mit einem meiner Lieblingscanadier ausklingen, der bekennender Anti-Pilger ist. Ihm gefällt zwar der Weg als Touri-Ziel, aber in seiner Gegenwart darf man Wörter wie „Symbole, Zeichen oder Spiritualität“ nicht benutzen :).

Was auch vollkommen ok ist! Haben wir nicht alle unseren eigenen Glauben, unsere eigene Realität? Und erschaffen wir nicht durch unsere Gedanken unsere Realität, indem manche Menschen Dinge und Gegebenheiten als Zeichen interpretieren und andere eben nicht? Ich denke der Jakobsweg ist eine Projektion unserer selbst auf den Weg. Wer nicht an Zeichen glaubt, wird auch hier keine finden. Wer an den Niedergang der Menschheit glaubt, wird hier auf dem Weg immer wieder die gleichen 2-3 einzigen unfreundlichen Menschen treffen, die den Tag dann so richtig mies machen. Der Jakobsweg ist keine Antwort, wenn du keine Frage stellst. Der Jakobsweg ist viel mehr, was du selbst bist. Der Camino bist du! Es stimmt, dass ich stundenlang schwärmen könnte über den Weg. Aber der Canadier hat mir gestern, ohne es zu wollen, eine wichtige Antwort gegeben.

Entlang des Weges

Was macht den Weg so besonders? Was ist das Geheimnis des Weges?

Ist es die Tradition? Die Wallfahrt? Das Streben zu Gott und Höherem? Die Kirche? Die raue Meseta? Die leckeren Tapas? Der Wein der Rioja?

Nein!

Du selbst bist es!

Du, indem du dich einlässt auf einen neuen Weg, neue Menschen und vor allem auf dich selbst.

Könnte man dann nicht jeden anderen Weg der Welt gehen, um zu sich zufinden?

Wahrscheinlich schon!

Doch der Jakobsweg ist eben einer dieser Wege, dieser Möglichkeiten und nebenbei eine wunderschöne Herausforderung.

Ultreia ❤

Camino Tag 15: Leichtigkeit

Ponferrada, 29km

Das „Cruz de Ferro“ ist eines der wichtigsten Ziele und Stationen des gesamten Caminos, denn hier darf man seinen „Sorgen“-Stein ablegen, den viele bereits von zu Hause mitnehmen.

Motto des Tages ist also „Ballast abwerfen“. Gerade diese heutige Strecke war letztes Jahr unglaublich wichtig für mich. Deswegen war es umso schöner, dass ich Quique, den Radpilger aus Burgos wieder traf, der mich den halben Tag begleitete. Sonst hätte ich mich – gerade heute – ein bisschen allein gefühlt.

Gegen 8Uhr fing es dann auch noch an zu schneien! Es war aber wirklich die richtige Entscheidung, den Zug nach Astorga zu nehmen, um diese Strecke zu laufen, das kann ich spüren :). Letztes Jahr wurde mir an dieser Stelle ein Schlüssel für ein Schloss (siehe Bild) gegeben, welches ich auch wieder fand und froh war, mein Ballast, den Schlüssel, dort zu lassen. Den manche Dinge gehören einfach zusammen, so wie das Schloss und der Schlüssel, und es fühlte sich mehr als gut an, beide Dinge wieder zusammen zu bringen.

Als ich vor der Reise gefragt wurde, warum ich nochmals den Jakobsweg gehe, wusste ich es nicht wirklich. Nun weiß ich aber das einer der Gründe wohl auch der Schlüssel war, der mir im letzten Jahr kurz nach Cruz de Ferro von einem Italiener gegeben wurde mit den Worten, dass der Schlüssel der Zugang zu seinen Ängsten, Sorgen und Ballast ist. All dem was er auf dem Cruz de Ferro hinter ließ. Und auch wenn es nur ein Symbol ist – ich möchte diesen Zugang nicht!

Kurz nachdem ich mich von Quique verabschieden musste, da er weiter nach O’Cebreiro muss (80km), traf ich den Brasilianer Manuel und wir hatten einen super angenehmen Weg zusammen. Lustig war vor allem, dass Manuel und ich am gleichen Tag in SJP gestartet sind, aber aufgrund seiner Tagesetappen von 35-45km uns vorher nicht über den Weg gelaufen sind.

Heute Abend nach der Pilgermesse wurde ich schon fast sentimental, da ich in Ponferrada fast niemanden kenne und dann lief mir Waldemar aus Solingen entgegen, der im gleichen Zimmer in Foncebadón schlief. Wir beschlossen zusammen Abend zu essen, und es war ein sehr sehr toller Abend! Richtiger Camino-Spirit!!

Ultreia ❤

Camino Tag 14: Wieder zurück

Zugfahrt, durch die Meseta, etwa 250km

Heute morgen hatte ich in Santo Domingo de la Calzada die Eingebung irgendwie doch nochmal weiter zu laufen und zwar nach Foncebadón, um morgen in aller Frühe meinen „Sorgenstein“ am Cruz de Ferro abzulegen. Nur ist es gar nicht so einfach dort anzukommen! Gegen 7:30Uhr machte ich mich in Santo Domingo via Bus auf den Weg und bin nun im Zug auf dem Weg nach Astorga um dann gegen 15Uhr loszulaufen! Mal schauen was dieser Tag so bringt!

Foncebadón, 28km

Wen man merkt, dass man das richtige getan hat, obwohl man vorher viele Zweifel hatte, ist es ein wunderbares Gefühl! Und gerade die Zweifel vorher, machen es eigentlich noch schöner, denn sie zeigen, dass Zweifeln erlaubt ist! Man muss sich nicht immer sich sein, über seinen Weg und seine Entscheidungen, sondern es reicht zu wissen, dass man wahrscheinlich den richtigen gewählt hat, da wahrscheinlich wahrscheinlich der Moment kommt, indem es sich richtig anfühlt :). So wie meine spontane Rückkehr zum Jakobsweg für ein paar kurze Etappen.

Ultreia ❤

Camino Tag 13: Wegbegleiter

Burgos, Café am Marktplatz

Ich sitze gerade mit einem Kaffee auf dem Plaza Mayor in Burgos und lasse die letzten Tage Revue passieren. Es sind unglaubliche Dinge passiert! Ich komme mir selbst so vor, als wäre ich innerhalb der letzten 3 Tage um einiges älter geworden.

Im Sinne von den Erfahrungen, die ich gemacht habe und deswegen habe ich mich auch nun dazu entschlossen, dass ich – aufgrund eines wunderschönen gefühlten letzten Tag des Caminos – meinen Jakobsweg heute beende, da alles so wie es wahr unglaublich perfekt war.

Die 5 Tage, die ich für den Abschnitt zwischen Burgos und Leon eingeplant hatte, werde ich bei Freunden in Santo Domingo de la Calzada verbringen (einem Teil meiner Camino-Family von 2017). Ich weiß gar nicht wie ich die letzten Tage beschreiben soll und will deshalb nun etwas über meine Wegbegleiter schreiben, die nun schon wieder mit gepackten Rucksack auf dem Weg nach Hontanas, Carrion de los Condes oder weiter sind. Danke für diese wunderschöne Zeit mit euch!

Oben seht ihr meine lieben Pilgerfreunde an unserem zweiten Pilger-Pause-Tag in Burgos! Was für einen schönen Tag und eine lustige Nacht wir zusammen hatten! Einfach Danke an euch :).

Danke an meine beiden Canadier Chris und Joel! Euer Lachen ist einfach ansteckend! Danke an Quique aus Cartagena – Meditationen mit dir sind unglaublich! Danke an Ben aus England, meine treuste Pilgerbegleitung dieses Jahr (mit ihm gemeinsam habe ich bestimmt etwa 100km zurück gelegt). Danke an meine wunderschöne Melisa aus Argentinien, meine beiden Koreaner, meine 5 Camino-Mamas, William aus Frankreich, Pat aus Ireland, Rebecca aus Brasilien …

Was für wunderbare, liebenswerte Menschen! Und so so viele, die ich hier jetzt gar nicht mehr erwähnen konnte. Innerhalb von nur 13/14 Tagen konnte ich sehr intensive und wunderbare Erfahrungen machen. Und habe zum Glück nicht mal eine Blase am Fuß!

Oben seht ihr den lieben Engländer.

Zwei meiner etwa 5 Camino-Mamas :). Und Melisa aus Argentinien.

Meine anderen beiden Camino-Mamas aus Holland. Was für schöne Gespräche wir gestern hatten :).

Einfach danke! Für diesen wunderbaren Weg, für die Gemeinschaft. Obwohl ich nicht alle Erlebnisse teilen kann, die ich hier gemacht habe, möchte ich mich mit folgendem Gedanken an meinen Beitrag: „Über die Magie des Weges“ anschließen. Auch dieses Jahr war sie ständig präsent. Als ich gestern den Entschluss fasste, meine Reise in Burgos zu beenden, habe ich wirklich alle!!! – wirklich alle Menschen wieder getroffen, die mir in letzter Zeit ans Herz gewachsen sind.

So zum Beispiel den Canadier Joel von Tag 2. Ich hatte ihn tagelang nicht gesehen und mit den Jungs beschlossen auf die Aussichtsplattform „El Mirador“ zu wandern. Beim Aufstieg sagte ich zu Ben, dem Engländer: „Ich habe heute wirklich nochmal alle Menschen getroffen, die ich treffen wollte. Außer Joel, wo ist der denn bloß?“ Ben meinte, dass ich mal in der Herberge vorbeischauen sollte. Und ich meinte nur, nach etwa 45 Tagen Gesamt-Camino-Erfahrungen:

„Der Camino wird es schon machen.“

Etwa eine Minute später liefen wir an einer Parkbank vorbei und dort saß Joel, so als würde er auf mich warten und wir hätten eine Verabredung gehabt. Das war genial!

Camino Tag 12: Entschlüsse

Burgos, 26 km

Was ein wunderschöner Tag! Morgens sind wir aus San Juan de Ortega gestartet und ich habe beschlossen meine Reise in Burgos zu beenden, um die letzten Tage bei meiner Camino-Family zu verbringen. Der gestrige Abend war genial! Wir haben eine verrückte Krankenschwester aus Irland kennen gelernt, die uns allen Valium-Tabletten aufschwatzen wollte und Stefan aus Schweden. Mit der Argentinierin Melisa ging es dann weiter Richtung Burgos. Der heutige Weg ist einer meiner Lieblingsstage gewesen, vorallem der Aufstieg hinter Atapuerca!

Schaut euch diese tollen Steinfelder an!

Auch unser Abend in Burgos Altstadt war sehr sehr schön – und wurde noch schöner, als wir eine „Geheimtür“ entdeckten, die uns erlaubte unseren Tag in Burgos gesellig ausklingen zu lassen. Denn eigentlich muss man um 22Uhr in der Herberge sein…

Ultreia und ganz liebe Umarmungen aus Burgos ❤

Camino Tag 11: Spielfiguren

San Juan de Ortega, 15km

Heute habe ich ein wenig geschummelt und mich von meinem Camino-Papa Jorge von Santo Domingo nach Orca fahren lassen, um wieder Anschluss an meine Gruppe zu gewinnen. Bin zur Zeit am Hin und Her überlegen, ob ich weiter nach León laufen soll, oder das Wochenende in Santo Domingo verbringen werde. Irgendwie zieht es mich aber wieder auf den Weg und wir glauben, dass wenn man den Weg beginnt, ihn auf irgendeine Art zu Ende bringen muss. Wie Spielfiguren in einem Spiel. Ich habe das Gefühl, das noch 3 Tage mit Camino-Erfahrungen auf mich warten!

Camino Tag 10: (Ge-)danken

Santo Domingo de la Calzada, 4km

Heute ist ein Tag an dem ich meine eigene Weltanschauung ein bisschen korrigieren muss und feststelle, dass ich ziemlich dankbar sein darf und auch muss für alles was ich hier gerade erlebe und „bekomme“. Und ich glaube auch, dass ich ein wenig undankbar war – denn ich weiß noch, wie ich mich letztes Jahr einige Monate nach dem Camino und einigen Hochs und Tiefs ziemlich geärgert hatte, dass ich auf dem Camino so viel gegeben hatte. Nicht nur emotional hatte ich sehr viel investiert, allgemein kam es mir einige Monate nach meinem Jakobsweg so vor, dass das Leben ein wenig ungerecht ist. Denn ich hatte das Gefühl, dass ich auf dem Weg mehr gegeben als genommen hatte.

Und nun aus einiger Distanz betrachtet, schäme ich mich etwas für meine Gedanken. Denn was ich die letzten Tage alles für Einladungen und Geschenke bekommen habe ist unglaublich! Dieses Jahr bin ich wohl der „Nehmer“ und letztes Jahr bin ich eben ein bisschen mehr der „Geber“ gewesen – doch die Balance ist mehr als nur da, sogar fast ein wenig zu viel zu meinem Gunsten! Denn nach all den Einladungen in Restaurants, Freibiers und Geschenken wird mir bewusst, dass es nicht immer gleich eine Balance gibt, denn mir wurden in den letzten 10 Tagen unter anderem ein Shirt, Handschuhe, zwei Pilgermuscheln, ein Lippenstift, ein Mp3-Stick, zwei Cremes, ein paar Socken, ein Ring, eine Kette, viel viel Liebe, Komplimente, tausende von Lächeln, gute Gedanken … geschenkt. Viel viel mehr als ich in den letzten Tagen investiert habe! Und ich muss sagen, dass ich mehr als nur glücklich sein darf! Und es auch bin :). Erst heute Morgen zum Beispiel wurde ich in dem Hostel „El Molino de Floren“ in Santo Domingo de la Calzada von den Besitzern des Hostels zum Frühstück eingeladen und möchte hier auch gerne ein bisschen Werbung für die schöne Unterkunft machen (Link).

Ich hoffe ich kann mir diese Gedanken ein wenig behalten, wenn ich ein nächstes Mal das Leben als ungerecht empfinde :). Denn wie oft vergessen wir, dass wir nicht zwingend von den Menschen Dankbarkeit erwarten dürfen, denen wir auf irgendeine Art und Weise ein Geschenk gemacht haben. Seien es nur ein paar nette Worte, sei es irgendeine Gabe. Und überhaupt ist es nicht gerade die hohe Kunst, einfach nur zu Geben? Ich denke ich brauche noch ein paar Tage auf dem Camino, um reinen Herzens dem Weg zu vetrauen, aber möchte auf diesem Wege einmal „Danke“ sagen an all die lieben Menschen, die mich täglich unterstützen, mich beschenkt haben (jeglicher Art und Weise) oder auch dem lieben Leser, der das gerade liest.

Merci!

Gracias!

Danke!


Anm.:

Die heutige Pilgermesse hatte durch Zufall das Thema „Don“, was Gaben heißt und es war genial, dass der Priester, kurze Zeit nachdem ich meinen Beitrag verfasst hatte, genau dieses Thema zum Thema der heutigen Messe machte – Camino-Spirit 🙂

Camino Tag 9: Überraschungen

Santo Domingo de la Calzada, 32,1km

Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn ich besuche einen Pilgerfreund vom letzten Jahr, der im schönen Santo Domingo de la Calzada wohnt! Zufällig ist er auch einer der Organisatoren des jährlichen Stadtfestes des „Santo Domingos“ welches immer von Anfang Mai bis zum 11/12.Mai statt findet.

Ich habe heute also die Ehre, in der ältesten Pilgerherberge des Weges, Teil der großen Feier zu sein (und meine Pilgerfreunde sind alle sehr sehr neidisch ….). Lustigerweise kannte der Herbergsvater mich noch, da ich letztes Jahr hier „Hospitalera“ spielen durfte und dafür mit Eis und Wein belohnt wurde (Bild unten). Eigentlich wollte mich mein Camino-Freund Jorge seinen Freunden, die in der Herberge arbeiten, vorstellen, aber die zwei kannten mich schon, das war super lustig :).

Jakobsweg 2017 in der Herberge in Santo Domingo de la Calzada

Wir hatten eine sehr schöne Feier in der Herberge und ich freue mich sehr einige Traditionen der Santo-Domingo-Woche kennen gelernt zu haben. Ich durfte auch ein paar meiner Pilgerfreunde in den Saal schmuggeln…

Camino Tag 8: Begegnungen

Ventosa, etwa 20km

Wahrscheinlich ist es hier auf dem Camino wie überall – und dann doch irgendwie ganz anders. Denn heute möchte ich von Menschen berichten, die mir in unglaublich kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind. Menschen, denen ich, hier auf dem Jakobsweg, nur ab und zu begegne aber das Beste daran ist, dass es Menschen sind, denen ich immer und immer wieder ohne jegliche „bewusste“ Verabredung jeden Tag erneut über den Weg laufe :). Heute zum Beispiel habe ich in einer sehr kleinen Albergue in einem sehr sehr kleinen Dörfchen eine liebe Argentinierin wieder getroffen, die ich 3 Tage nicht gesehen hatte.

Schuhe auf dem Jakobswweg

Und wir hatten uns unglaublich viel zu erzählen. Es fühlte sich an, als hätte man sich Jahre nicht gesehen und trotzdem dann wieder so, als würde eine Freundschaft seit Kindertagen bestehen. Aber nicht nur die Argentinierin traf ich aus „Zufall“ heute wieder, sondern auch die beiden Powerfrauen aus Dänemark, einen jungen Deutschen aus Würzburg und viele viele mehr. Wir laufen uns alle irgendwie immer wieder in die Arme und das fühlt sich unglaublich toll an! Das Gefühl zu wissen, dass man sich um sehr viele Beziehungen und Begegnungen im Leben, oder hier auf dem Jakobsweg nicht kümmern muss, sondern dass sich alles ergibt, wie es sich ergibt, ist unglaublich!

Gestern traf ich einen Pilgerfreund, den ich letztes Jahr auf dem Camino kennen lernte, und er hatte eine sehr sehr schöne Metapher zu diesem Thema parat:

„Du weißt nie, wer auf dem Camino, auf deinem Weg, bereits dein ständiger Begleiter ist. Du weißt nicht, wer eine Meile, einen Kilometer direkt hinter dir läuft, wer deine Fußspuren bereits sieht, deine Spuren im Sand liest und wer dich täglich auf deinem Weg begleitet. Nur um dann irgendwann eines Tages direkt neben dir zu laufen, nämlich dann, wenn ihr das gleiche Tempo im Leben oder auf dem Camino findet und beschließt von nun an, sei es für Minuten, Tage, Stunden, Wochen oder Jahre eine Strecke gemeinsam zu gehen.“

Sehr schöne Worte für mich!

Ultreia ❤

Camino Tag 7: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Logroño, 21,8km

Heute waren wir am richtigen Ort zur richtigen Zeit denn es war 25igste-Jahrfeier der „Albergue Municipal“/Herberge aus Logroño! Als wir gegen 12Uhr ankamen, wurden wir schon auf der Straße von Kamerateams und heimische Reporter begrüßt und bekamen ein Pilgerbrot, Wein aus der Region „Rioja“ (Logroño ist Hauptstadt) und ein Pilger-Shirt gratis geschenkt! So ein Empfang kann man gerne öfter haben ;).

Abends gab es noch eine Party mit super viel Essen, Wein und Musik! Wir hatten alle einen wirklich schönen Tag zusammen!

Ich freue mich total darüber, dass ich den netten Engländern, Ben, von Tag 2 (der, der mich vom Weg abrachte) und die anderen Pilger immer besser kennen lerne.

Auf den Fotos seht ihr großartige Pilger aus Korea, Brasilien, England, Texas, Italien und Frankreich.

Es ist unglaublich toll, wie der Camino hier alle zusammen bringt und wie schnell man hier einen Draht zueinander findet.

Back to Camino Spirit!

Camino Tag 6: Inspire someone today

Torres del Rio, 28km

Was ein schöner Tag! Morgens ging es ein bisschen zu früh (5Uhr) los und der „Weinbrunnen“ des Monasterio de Iraché war leider noch geschlossen. Es war auch so dunkel, dass ich keine gelben Pfeile finden konnte, aber zum traf ich einen Jogger, der mich ein Stück begleitete und mir den Weg zeigte.

Es ging durch kleine Örtchen und durch eine wunderschöne, wenn auch etwas triste Landschaft. Beim Frühstück traf ich eine Deutsche, eine Engländerin und einen Amerikaner und irgendwie kamen wir auf meine „Karma“-Karten, die ich dabei habe. Auf meiner Karte des Tages stand: „Inspire someone today“. Und wie inspiriert man am besten?

Vielleicht in dem man alle 52 Karmakarten auf dem Camino verteilt?

Später traf ich zwei liebe Südkoreaner und eine Nonne in Los Arcos mit dem wunderschönen Namen Milagro, die mich zum Abendessen einlud. Aber da ich noch ein bisschen weiter laufen wollte, entschloss ich mich, mich den anderen und dem gemeinsamen Pilgermenü anzuschließen.

Zu guter Letzt hatte ich noch eine lustige Wette mit dem Kellner, ob Real Madrid oder Bayern-München heute Abend beim Fußball gewinnt und wurde vom Barbesitzer auf Freibier eingeladen, da ich ihm half ein kleinen Streit auf Spanisch/Englisch zu schlichten, denn ein älterer, ziemlich ruppiger Amerikaner, wollte seine Rechnung nicht bezahlen, ehe er einen Restaurantstempel bekommt …

Ultreia ❤

Camino Tag 5: Einer dieser Tage

Ayegui, 24km

Manchmal gibt es Tage, an denen einfach alles doof ist. Und genau solch ein Tag ist heute! Mir kann man es heute so gar nicht recht machen und das obwohl ich zum ersten Mal auf diesem Weg, mehr als 4h in einer Herberge, schlafen konnte.

Das Wetter wird wieder besser und auch den schweren Rucksack auf meinem Rücken spüre ich kaum mehr. Doch trotzdem hat meine schlechte Laune heute nur Situationen herauf beschworen, die alles noch doofer machten – wie Mitpilger, die mit mir über Sachen reden wollten, über die ich einfach gar nicht gerne rede…

Ich weiß, dass es hauptsächlich an mir liegt und man eigentlich immer selber für seine Laune verantwortlich ist – aber es gibt diese Tage an denen man es nicht ändern kann ;).

Nach einer warmen Dusche sieht die Welt auch wieder ganz anders aus und ich werde nun für meine Pilgerfreunde ein (hoffentlich) leckeres Abendessen kochen. Hätte ich gewusst, dass auch zwei Italiener meine italienischen „Kochkünste“ probieren wollen, hätte ich vielleicht nicht gerade Zutaten für italienische Pasta gekauft – aber das kann ja nur noch schief gehen ;).

Nun wird gekocht – Ultreia ❤

Camino Tag 4: Vergeben, vergessen!?

Puente la Reina, 18,5km

Heute waren wir auf dem Alto de Perdón. Ist es schwieriger sich selber zu vergeben oder eher denjenigen, die sich uns gegenüber auf irgendeine Art und Weise „schuldig“ gemacht haben? Denn heißt vergeben, nicht „Schuld zu erlassen“? Und heißt das wieder rum, das Vergebung immer mit persönlicher Schuldzuweisung zusammen hängt? Denn wie kann ich vergeben, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass mir Unrecht getan wurde? Und ist „Unrecht“ nun also mit meiner persönlichen Moral gekoppelt, mit meinen persönlichen Erwartungen? Erwartungen heißt, dass ich selbst diejenige oder derjenige bin, die durch meine Haltung und meine Gedanken „Unrecht“ empfinden kann, denn ich meine mit diesem Unrecht keine strafrechtlichen Gesetzesbrüche und sagen wir „klare Grenzüberschreitungen“, sondern das kleine Unrecht des Alltags, denn das ist das Unrecht das ich kenne und das der ältere deutsche Pilger meinte, mit dem ich am Flughafen über den „Alto de Perdón“ (auf Deutsch: Höhe/Berg der Vergebung) sprach.

Nach christlicher Pilgertradition ist dies der Berg auf dem man Menschen vergeben soll, die einem auf irgendeine Art und Weise Unrecht getan haben, bevor in Santiago de Compostela einem jeden Pilger von höchster kirchlicher Instanz selbst vergeben wird. Und obwohl ich nicht an den Sündenerlass in Santiago glaube, ist es trotzdem ein guter Moment inne zu halten und darüber nachzudenken Wem man selber vergeben sollte, um Situationen, Erinnerungen und Menschen nach und nach loslassen zu können.

Meine Füße schmerzen heute nicht mehr und auch der Rucksack fühlt sich nach und nach leichter an. Trotzdem beschlossen wir ein bisschen kürzer zu treten 🙂 und es bei etwa 20km zu belassen, um erst morgen in Estella/Lizarra anzukommen.


PS: Sorry, falls es mit der Kommentar Freischaltung etwas dauert, aber es gibt ein paar Probleme mit dem WIFI :).

Camino Tag 3: Take your time

Cizur Minor, etwa 10km

Heute war ein sehr gemütlicher Tag und wir sind nur etwa 10km gelaufen, da die gestrigen 40km wirklich etwas zu viel für unsere Füße und auch unsere Rücken waren! Da das Wetter zur Zeit sehr zwischen prallem Sonnenschein und Regenschauer schwankt, beschlossen wir statt nur bis Pamplona doch bis Cizur Minor, vor dem schönen Alto de Perdón, zu laufen. Ich freue mich echt darüber, dass der nette Kandier zur Zeit meine Pilgerbegleitung ist! Man kennt aber auch die anderen auf dem Weg mitllerweile mindestens schon vom Sehen und wir haben uns sehr gefreut, die beiden lieben älteren Herren aus Frankreich durch Zufall in unserer Herberge wieder zu treffen.

Langsam wird mir wieder mehr und mehr bewusst, dass der Camino nicht nur irgendein Weg ist – aber dazu morgen mehr :).

Letzte Nacht war furchtbar, da in dem Zimmer mehre Schnarcher waren, der Mann im Bett unter mir mitten in der Nacht anfing zu schreien und ein anderer im Bett neben mir kontinuierlich laut Schmatzgeräusche machte. Im heutigen Zimmer sehen unsere Mitpilger jedoch nicht aus wie „Schnarcher“ oder „Schmatzer“ und ich denke, dass diese Nacht endlich wieder erholsamer wird :). Nun haben wir alle, der Kanadier, die zwei netten Franzosen und ich ein sehr schönes Pilgermenü zusammen. Wir freuen uns, dass hier auf dem Camino Altersunterschiede keine wirklichen Unterschiede machen. Sondern wir alle zusammen, egal welche Nationalität wir haben, wie alt man ist oder was ein Päckchen man mit sich rumträgt – jeder sehr Willkommen ist, Teil der Gemeinschaft zu sein.

Ultreia!

Camino Tag 2: Held des Tages

Villava, etwa 40km hinter Roncesvalles

Was ein anstrengender aber schöner Tag! Irgendwie liefen wir viel viel weiter als gedacht.

Morgens war ich leider erstmal als „Pilgerschreck“ in der Klosterherberge unterwegs, denn da ich weder einschlafen noch aufwachen konnte, hielt ich es irgendwann im Klosterkeller nicht mehr aus und wollte mich deshalb gegen 5Uhr morgens auf den Weg machen, nur um festzustellen, dass die schwere Klosterpforte noch geschlossen war. Als ich dann doch vom Herbergsvater rausgelassen wurde und vor dem dunklen Buchenwald stand und ein paar Schritte ging, drehte ich auch gleich wieder um und setzte mich neben das berühmte „Santiago-Schild“, um mit dem ersten Pilger, der mir über den Weg lief, diese dunkle Passage zu meistern.

Denn es war wirklich stockduster und nicht einmal Vogelgezwitscher zu hören! Der Italiener, der mir gegen 06:30Uhr entgegen kam, war auch froh, dass wir zu zweit waren, da zwei Lampen immerhin mehr Licht geben als eine :). Einige Zeit später traf ich einen jüngeren Engländer und wir verquatschten uns, sodass wir total vom Weg abkamen und einen etwa 4km langen Umweg in Kauf nehmen mussten. Das lustige war, dass ich durch diesen Umweg zeitlich so gut wie als „letzte“ schließlich die Örtchen rund um Roncesvalles verließ und ich somit auf die „Langschläfer“ traf, die zum Glück nicht wussten, dass ich das Klostergespenst war, dass gegen 5Uhr durch die Herbergsmauern geisterte :).

Kurze Zeit später traf ich zu meinem Glück und Unglück 😉 den Kanadier Joel – Unglück auch nur, da wir beide es irgendwie schafften keine Pilgerherberge zu finden und wir deshalb 38,5km laufen mussten. Titel des „Helden des Tages“ geht an Joel, da er ab Kilometer 35,5 des Tages heldenhaft statt nur seinen, auch meinen Rucksack trug!

Heute ging es eher darum, seinen Körper wieder „in den Griff zu bekommen“. Alles schmerzt und es ist wie ein Kampf zwischen Kopf und Körper.

Camino Tag 1: Alles auf null

Roncesvalles – Klosterherberge, 1800 Höhenmeter, 27,2km

Was ein Tag. Wo soll ich anfangen?

„Night-Family“ im Beilari

Gestern Abend kam ich in der Herberge Beilari an und war schon sehr gespannt, da ich auf vielen Foren gelesen habe, dass man seinen Jakobsweg gar nicht besser beginnen kann, als hier im Beilari. Und ich stimme eindeutig zu! Von der Lage war es auch perfekt, denn direkt gegenüber des Pilgerbüros gelegen, kann man seine Reise gar nicht besser beginnen :). Die Magie des Abends verdanken wir dem Hospitalero Joseph, der unsere bunt-gemischte Truppe als „Night-Family“ weihte. Das heißt falls uns irgendwas auf dem Weg passieren sollte oder wir einen Ansprechpartner bräuchten, seien wir nun eine Familie, die uns auf dem Weg begleitet. Ich mag gar nicht zu viel verraten, sondern euch diesen Link mit auf den Weg geben: http://www.beilari.info/fr

(Anm.: Jetzt bin ich ja schon wieder zu Hause und kann euch verraten, dass es in dieser Gruppe tatsächlich ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl gab, wann immer wir uns gesehen haben. Wir waren ganz bunt zusammengewürfelt; fast alle kamen aus einem anderen Land, oder sogar Kontinent. Ihr sehr Anthony aus Kalifornien mit seinem Dad, den lieben Holländer, Margarethe aus Australien, die beiden Österreicher, „Marathon-Men“ aus England und und und … 🙂 ).

Morgens in aller früh machte ich mich von Saint-Jean-Pied-du-Port in Frankreich auf den Weg zur Klosterherberge in Roncesvalles. Dies ist die schwerste Etappe, so sagt man. Und ich denke bevor ich meine romantisch-verklärten Pilgererfahrungen niederschreibe, erstmal ein paar leider sehr wahre Fakten. Erstens, niemals aus dem „heiligen Rolandbrunnen“ trinken. Wirklich. Einfach nicht machen. Der liebe Holländer, mit dem ich heute gepilgert bin und mir geht’s jetzt nicht mehr sooo gut …. Lassen wir es dabei… Zweitens: Dieser Weg, oh mein Gott, ist unglaublich hart. Die Etappe durch die Pyrenäen war wirklich wirklich schwer! Ich hatte das total vergessen! Hatte vergessen, dass der Camino nicht nur „Friedefreudeeierkuchen“ ist, sondern auch viel viel Arbeit! Ich spüre Muskeln, von denen ich nie wusste, dass sie existieren (Anatomie war noch nie meine Stärke :)). Kurz hinter Col de Lepoeder, auf 1437m, schauten der nette Holländer und ich uns an und fragten uns zum ersten Mal: „Was machen wir eigentlich hier?“ Und die nächste Frage: „Warum das alles freiwillig?“.

Man konnte aufgrund des Nebels heute maximal 15m weit sehen, was im Nachhinein wahrscheinlich gut war, denn sonst hätte ich beim Anblick der Strecke und der Berge bestimmt nicht durchgehalten.

Auch neben dem Holländer hab ich heute unglaublich warmherzige und liebe Menschen kennen lernen dürfen. Die helfende Hand ist wirklich überall. Da der Holländer auch zum zweiten Mal den Jakobsweg läuft, haben wir viel über Erwartungen gesprochen. Deswegen ist mein Motto ab nun an: „Alles auf null“. All meine Erwartungen an den Weg und an die Menschen, die mich auf diesem Weg begleiten werden, habe ich nun in den letzten 27km auf dem Weg gelassen :).

Alles auf null.

Gestern Abend hat uns der liebe Hospitalero Joseph aus der Albergue „Beilari“, nach einem wirklich zauberhaften Dinner, auch noch gebeten unserem Weg ein Motto zu geben. Aber ich denke, dass mein Motto sich auf diesem Weg mehrfach ändern wird. Wenn nicht sogar täglich 🙂. Jeder Tag hier fühlt sich wie eine „Lesson“ und eine neue Erfahrung an.

Ultreia – nun geht es zum Pilgersegen!

Noch nicht vom Jakobsbild, nein hier in Vencice, California

Camino Tag 0: „Le long de la route“

Flughafen Frankfurt International

Es geht los! Jakobsweg ich komme zum zweiten Mal !!! Endlich endlich sind 11 Klausuren geschafft und es darf nun losgepilgert werden. Schnell noch mal den Rucksack optimiert, schönste Pilger-Leggings für den Flughafen angezogen, Pilgermuschel an meinen Rucksack angebracht und in aller Hergottsfrühe auf zum Frankfurter Flughafen und von dort immer weiter nach Saint-Jean-Pie-du-Port hoch in die Pyrenäen auf den Jakobsweg. Vorher, und damit sie auch wirklich ankommen, werden diesmal schon am Flughafen meine „ich bin dann mal weg“-Postkarten eingeworfen. Mal schauen, ob sie ihren Weg finden und wer schneller wieder daheim ist :).

Im Ohr dieses unglaublich tolle Lied von ZAZ „Le long de la route“ (Entlang des Weges):

Prenons-nous la main
Le long de la route
Choisissons nos destins
Sans plus aucun doute
J’ai foi et ce n’est rien
Qu’une question d’écoute
D’ouvrir grand nos petites mains
Coûte que coût

– ZAZ

Lass uns Hand in Hand
den Weg entlang gehen
Lass uns unser Schicksal
ab jetzt ohne jeden Zweifel in die Hand nehmen
Ich habe meinen Glauben und es ist nur
eine Frage des Zuhörens
unsere kleinen Hände weit zu öffnen
koste es was es wolle

– ZAZ

Was wird wohl dieses Jahr „entlang des Weges“ geschehen? Doch erst einmal soll es viel, viel Regen und Sturm geben. Gerade in den Pyrenäen gibt es laut meiner spanischen Pilgerfreunde einen Wetterumschwung und Sturmwarnungen. Wird dann die „Route Napoleon“ überhaupt zu machen sein? Jetzt wo ich seit Tagen Knieprobleme habe, die aber hoffentlich nur vom tagelangem Sitzen in der Bib kommen und sich „auslaufen“ werden, habe ich noch mehr Bedenken… Oh je, oh je was für Starts! Letztes Jahr hatte ich bis zwei Tage vor Abflug noch Krücken und dieses Jahr ist es das Knie – aber heute geht es erstmal mit dem Bus ganz entspannt nach Saint-Jean-Pie-du-Port und erst morgen dann zu Fuß weiter nach Roncesvalles. Hier steht auch die sehr bekannte Klosterherberge Roncesvalles, über die schon im Film „The Way“, in Hapes Buch „Ich bin dann mal weg“ oder im Buch meines Vaters „Jakobsweg für Manager“ berichtet wurde. Jaa, genau die mit den 120 Betten in einem Raum :). Ich bin echt sehr gespannt, wie der Camino dieses Jahr sein wird.

Noch nicht vom Jakobsweg, nein hier in Venice, California

D’ouvrir grand nos petites mains coûte que coût-Opening wide our small hands at whatever cost.

Ultreia ♥ – und Euch auch eine gute Zeit! Ich werde versuchen hier täglich ein wenig zu berichten. Carolina

PS: Dear N, I took a “ a little stone of sorrow“ for you with me but couldn’t find the key, I told you about. Happy you read this :).

Über die Magie des Weges, Teil II

Ich weiß, es klingt einfach und oft bekomme ich zu hören: „Deine Gedanken formen deine Realität.“ Oder „Du bist was du denkst“. Aber wie oft nimmt man diese Aussagen an? Denn was heißt das schon? Wie formen denn meine Gedanken meine Realität und was soll das für Auswirkungen auf mein Leben haben? Können Gedanken denn wirklich in mein Leben eingreifen? Bestimmt nicht so leicht, dachte ich. Doch ich musste auf dem Jakobsweg erfahren, dass alles doch ein bisschen komplizierter zu sein scheint. Oder eben viel einfacher. Wie man es nimmt!

Dazu eine Anekdote meines letzten Jakobsweges, es ist meine Lieblingsgeschichte von meinem Jakobsweg 2017:

Kurz hinter Burgos lernte ich auf dem Jakobsweg einen jungen Italiener kennen, er war etwa in meinem Alter und wir dachten, dass wir uns kennen würden. Ich dachte ich kenne ihn aus Logroño und er dachte wir kennen uns aus Najera.

Jedenfalls kannten wir uns nicht, aber wie es auf dem Jakobsweg ist, dauerte es nicht lange, bis wir uns unterhielten. Es waren wunderbare Gespräche!

Und auch die nächsten Tage begegneten wir uns immer mal wieder. Morgens sah man sich und plauderte, dann irgendwann am Mittag traf man sich durch Zufall in einem Café und so weiter. Wirkliche Verabredungen gab es auf dem Pilgerweg nie, da der Zufall uns ja alle zusammenführte.

Wunderschönes Burgos 🙂

Das Schöne war, dass Antonio und ich sehr viele gemeinsame Parallelen in unseren Leben hatten und uns auf Anhieb richtig gut verstanden. Einige Tage später lief ich mit Chechu aus Spanien und dem jungen Brasilianer Leo, es war kurz hinter Sahagún und ich sah den netten Italiener den ganzen Tag nicht. Da wir die vorherigen Tage solch guten und intensiven Gespräche geführt hatten, fragte ich ein paar Pilger, ob sie Antonio gesehen hätten, aber keiner hatte ihn gesehen.

Eine junge Engländerin erzählte mir, dass er an der Weggabelung wohl den anderen Weg genommen habe (hinter Sahagún gibt es eine Trennung) und erst nach 2 Tagen wieder auf den gemeinsamen Streckenabschnitt treffen würde. Gerade an diesem Tag unterhielten meine Pilgerfreunde und ich uns über die Kraft der Gedanken. Viele von ihnen waren der Ansicht, dass unsere Gedanken unseren Alltag und auch unsere Umwelt beeinflussen würden. Ich wusste nicht recht, was ich davon hielt.

Ein Spanier mittleren Alters war sogar davon überzeugt, dass man mit Gedanken Verabredungen treffen könne und auch Bestellungen aufgeben kann.

Nun gut, dachte ich. Wenn alles so einfach ist, dann denke ich jetzt mal an den Italiener und verabrede ein Treffen mit ihm nur mit meinen Gedanken. Ich setzte mich in der Pilgerherberge auf mein kleines Herbergsbett und dachte: Hi Antonio, ich weiß nicht genau ob du mich hören kannst. Es ist verrückt, was ich mache. Aber lass und doch morgen in Reliegos treffen. Also um 14Uhr in Reliegos im ersten Café im Dorf“. Denn in Reliegos sollten beide Wege wieder zusammen treffen. Ich dachte also an die Verabredung und daran, was der ältere Spanier mir gesagt hatte und obwohl ich es ein bisschen komisch fand, dachte ich den Gedanken zu Ende und „schickte“ ihn ab. Kaum hatte ich den Gedanken „abgeschickt“ hatte ich ihn auch schon wieder vergessen.

Meine Pilgerfreunde und ich genossen ein sehr schönes gemeinsames Essen in der Herberge (vielen Dank liebe Herbergsväter aus Bercianos del Real Camino).

Pilgeressen in Bercianos

Morgens machten der Brasilianer Leo und ich uns auf den Weg. Leider waren an diesem Tag die Schilder (gelbe Pfeile) auf dem Weg nicht gut oder Leo und ich verquatschten uns, denn wir kamen vom Weg ab und in ein kleines Dorf mit einer schrulligen alten Dame (Leo, você se lembra?). Sie lenkte uns Querfeld ein zurück auf den Weg und wir mussten einen Umweg von etwa zwei Stunden in Kauf nehmen. Dann fing es plötzlich auch noch an zu regnen. Zum Glück waren nach einer Weile kleine Häuser in Sicht und wir rannten in ein kleines Café am Ortsanfang.

Es war das Dorf Reliegos.

Kaum dort angekommen, bestellten wir uns ein Kaffee. Plötzlich schaute ich aus dem Fenster und rief „Dort ist Antonio, schau mal!“.

Ich machte die Tür auf, der Regen prasselte. Antonio, der Italiener kam auf uns zu und setzte sich zu uns. Er sei im Dorf nochmals umgekehrt und suche in diesem Café seine Pilgergruppe. Ich schaute auf die Uhr.

Es war, wirklich, wirklich 14:02.

Ich begann zu zittern und mir wurde schlecht. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass wir in Reliegos waren und dann auch noch in dem ersten Café?! Aber das konnte doch nur Zufall sein? Als ich Antonio, davon berichtete und ihn fragte ob er irgendwie wüsste, dass wir heute eine „Verabredung“ hätten, schaute er mich komisch an und dachte ich sei eine Spinnerin (wer sollte es ihm verübeln?). Er wird es nie zugeben, aber allein sein Blick sprach Bände ;). Trotzdem war er froh, auch uns wiederzusehen und wir liefen alle ein Stück gemeinsam. Es war komisch, dass er wirklich genau um die Uhrzeit, genau in dem Café, genau nachdem wir uns verlaufen hatten und viel viel später als geplant noch unterwegs waren, dort, im Café, gewesen war.

Aber wie es so war, verlor man sich wieder und am nächsten Tag ging es mit meiner liebgewonnenen Pilger-Familie weiter nach León. Den Italiener sah ich nicht, aber ich wusste, dass er ein wenig verschreckt war vom Tag zuvor. Ich meine, wenn jemand zu mir sagen würde: „Schön, dass du hier bist, wir hatten eine imaginäre Verabredung und du bist pünktlich“, würde ich auch denken mein Gegenüber sei „Plemplem“.

Als wir nach einem schönen, aber anstrengendem Pilger-Marsch in León endlich in einer kleiner Pilgerherberge ankamen, richteten wir unsere Betten ein und die anderen wollten sich erstmal duschen und anschließend etwas essen gehen.

Bettenburgen in León

„Möchtest du auch etwas essen, Carolina“, fragte mich eine Koreanerin, die in der Küche etwas zu bereitete.

„Hey, Carolina, ich ruhe mich kurz aus und dann können wir uns die Stadt angucken“, sagte der Brasilianer. Und was machte ich?

Ich lehnte ab, irgendwie war mir nicht danach.

Ich nahm meinen Stadtrucksack, sagte allen ich würde kurz spazieren gehen und machte mich auf den Weg. Ich weiß bis heute nicht wieso. Ich hatte Hunger, war verschwitzt und müde.Aber meine Füße liefen. León ist eine wirklich große Stadt, müsst ihr wissen. Und ich lief und lief und lief.

Ich wusste selber nicht wohin, aber ich war in Eile.

Wieso wusste ich nicht. Auf einmal stand ich vor der Kathedrale und setzte mich auf eine Bank. Schaute auf mein Handy, es war kurz vor 14Uhr. Die Turmuhr schlug zwei. Ich blickte nach links und sah Antonio. Aber nicht nur den „normalen“ Antonio, sondern einen total kreischenden und schreienden A.

„Carolina, what are you doing here? That can´t be. Why are you here? This is crazy, this is crazy, ….“. Er war so laut, dass einige Leute von den Bänken aufstanden und den Platz verließen. Ich schaute verdutzt. Was war los? A sagte: „Carolina, I made a „mind-appointment“. I made the appointment that we will meet here at the Cathedral at 14:00 in León. In the morning I took a bus to León, to make sure, that we wouldn´t see each other before this „appointment“. I just wanted to see if you are totally crazy – or if „mind-appointments“ can work? ….“.

Er hatte also einen Abend vorher, kurz nachdem ich ihm die verrückte Geschichte erzählte, dass wir eine „Verabredung“ hatten und er „Kraft seiner Gedanken“ sie befolgt habe, eine neue Verabredung mit mir gemacht. Letztes Mal ich, dieses Mal er. Wir saßen nun nebeneinander auf der Bank und wussten nicht ob wir lachen oder weinen sollten. Wir waren sprachlos. Jakobsweg-Zauber?! Doch eines wussten wir, nämlich dass wir keine „Mind-Appointments“ mehr machen würden. Denn zweimal könnten diese Art „Zufälle“ noch Zufall sein, aber ab einem dritten Mal, würden wir bestimmt für verrückt erklärt werden.

Alles Zufall?

Ich weiß es nicht. Dies ist aber tatsächlich genauso passiert. Da A. morgens seinen Pilgerfreunden erzählte, dass er später, um 14Uhr, eine Verabredung mit mir in León vor der Kathedrale habe und deswegen schnell noch ein bisschen Vesper kaufen würde, haben wir auch Zeugen.

Es ist wirklich so passiert.

Warum wissen wir nicht.

Wer weiß?


Hier geht´s zu:  Über die Magie des Weges Teil I 🙂

CarolinaTravelina

Endlich Endspurt (bald geht´s los)

Nun ist es endlich (fast) soweit. Jedenfalls soweit, dass endlich endlich ohne schlechtes Gewissen der Rucksack gepackt werden darf, die Schuhe eingelaufen und die allerletzten Kleinigkeiten noch gekauft werden dürfen.

Ein paar Tage dauert es zwar noch, aber bei diesem schönen Frühlingswetter geht die Zeit bestimmt auch ganz schnell und wie im Fluge rum. Heute Morgen sind auch endlich meine selbstgemachten „Ich bin dann mal weg„-Jakobsweg-Postkarten angekommen, die ich von unterwegs aus verschicken werde. Das habe ich auch letztes Jahr gemacht, doch einige meiner aus Santo Domingo de la Calzada verschickten Postkarten, sind leider immer noch nicht angekommen – vielleicht war der Briefkasten ja auch eher eine Art Attrappe ;).

Meine „Ich bin dann mal weg“-Jakobsweg Postkarte (Rückseite)

Einfach mal 3-4 Wochen online nicht erreichbar sein.

Es tat mir letztes Jahr sehr gut, Whatsapp zu löschen und mein E-Mail Postfach mit einem „Ich bin leider die nächsten 4 Wochen nicht zu erreichen“-Spruch zu belegen. Dadurch habe ich den Kopf freibekommen und konnte nicht nur physisch, sondern auch psychisch etwas Abstand zum Alltag nach Hause schaffen, zwar habe ich dadurch bestimmt die eine oder andere wichtige Nachricht verpasst, aber  von Klausuren, Arbeit, Uniabfragen, der Organisation aller möglichen Pläne umgeben; nahezu immer mit dem Kopf im „morgen“ – und nebenbei in Whatsapp, Facebook und Threema online – war es ein neuer und sehr einprägsamer Moment einfach mal nur im „Jetzt“ anzukommen und mein Leben mehr und mehr als „Leben in Tageseinheiten“ zu begreifen.

Glücklich der Mensch, glücklich er allein, der das Heute ganz besitzen kann, der, in sich ruhend, sagen kann: Morgen sei es noch so schlimm, ich hab heut gelebt.

– Horaz

Und was für ein wunderbares Geschenk des Caminos ist es doch, wenn man am eigenen Körper spürt, wie nach zwei bis drei Tagen des Laufens, der physischen Grenzen, des Schweißes, des Tragens der schweren Last auf dem Rücken, man endlich nur im Jetzt zu sein scheint und man eines wird mit dem Tag.

Du kommst in den Rhythmus deiner Umwelt und lässt dich Tragen, du wandelst auf vorgegeben Pfaden, gibst deinem Leben eine Richtung, musst nicht Suchen, sondern einfach nur den gelben Pfeilen folgen.

Du bist im Jetzt.

Dies ist für mich ein Teil des Jakobswegzaubers 😊. Bald geht´s los – Endspurt vor der Pilgerreise!

Carolina Travelina

Was bedeutet es, ein „Pilger“ zu sein?

Was ist denn eigentlich ein Pilger? Wikipedia sagt hierzu: Pilger, veraltet auch Pilgrim („Fremdling“), stammt vom lateinischen Wort peregrinus (oder peregrinari, „in der Fremde sein“) ab. Außerdem heißt es hier, dass „Pilgern“ das Reisen auf einer Wallfahrt, bezeichnet. Also heißt Pilgern demach, ein Reisender in der Fremde auf einer Wallfahrt zu sein? Und was bedeutet Wallfahrt?

Wallfahrt kommt vom deutschen Wort „wallen“, was wiederrum vermutlich aus dem westgermanischen kommt und so viel bedeutet wie „sieden“, „strömen“ oder „bewegen“. Wie sagt Goethe so schön in seinem „Zauberlehrling“?

„Walle, walle – manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße!“

– Johann Wolfgang von Goethe

Wallen heißt also sich bewegen, sich aufzumachen und im übertragenden Sinne auch auf der Suche zu sein. Die katholische Kirche übersetzt die Wallfahrt mit „der Sehnsucht Gott in heiligen Stätten nahe zu sein“. Dieser Auffassung nach, geht es also vorallem um das Besuchen eines Heiligtumes, um Büße zu tun und auch Gelübde abzulegen, um den Glauben und Bekentnisse zu erneuern – ganz allgemein um Religion.

Nahezu überall in Spanien wird man von den Einheimischen gefragt:

„Eres und peregrino? – Bist du ein Pilger?“.

Wir alle haben unsere Credencia (Pilgerpass), kaufen ein Symbol des Weges – die Pilgermuschel und oft auch einen Pilgerstab. Doch nicht alle (und nur wenige die ich traf) liefen den Weg aus katholischer Überzeugung. Doch heißt Pilgern auf dem Jakobsweg also nur sich „in der Fremde auf den Weg nach Santiago (einem Heiligtum)“ zu machen? Ich denke nicht. Aber ich denke, dass das Wort Wallfahrt es ganz gut trifft. Die meisten Menschen, die ich auf dem Jakobsweg in Spanien getroffen habe, waren in „Bewegung“. In „Bewegung“ heißt also auch in „Wallung“. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Bewegt durch äußere Umstände, wie den Verlust des Alltags durch alle möglichen Schicksalsschläge oder innere, wie Krankheit.

In Bewegung sein, Wege finden, eine Richtung einschlagen, das alles kann man auf einer Wallfahrt erleben.

Meine Lieblingsmetapher zu diesem Thema stammt von dem Verfasser des „Kleinen Prinzen“, nämlich von Antoine de Saint-Exupéry. Er schreibt in seinem Lettre à un otage (Brief an einen Ausgelieferten) folgendes:

„Nous sommes l’un pour l’autre des pèlerins qui, le long de chemins divers, peinons vers le même rendez-vous. – Wir alle sind Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zu wandern.“

– (frei übersetzt) Antoine de Saint-Exupéry

Diese schöne Metapher erinnert mich sehr an den Jakobsweg. Sind wir nicht alle irgendwie Wanderer, Pilger oder Suchende die von verschiedenen Wegen aus kommend einem gemeinsamen Treffpunkt zu wandern? Für manche ist der Treffpunkt Santiago de Compostela und das Grab des Apostels. Für andere ist es ein Treffpunkt im Geiste. Und wieder andere Suchen und Finden auf dieser Pilgerreise ihren Glauben, Gott und auch sich selbst.

Ultreia!

Über die Magie des Weges, Teil I

Es gibt so viele Pilger, die von ihrer Reise zurückkehren und unter anderem davon berichten, dass sie sich auf dem Camino keine Sorgen machen mussten, denn der Camino „habe für sie gesorgt“. Doch was genau meinen sie denn alle damit?

Dazu eine Anekdote von meiner letzten Reise auf dem Camino:

Auf meinem letzten Jakobsweg habe ich die Erfahrung gemacht, dass alles seinen Weg findet. Es war morgens um halb sechs in Ponferrada (etwa der zwanzigste Tag meiner Reise) und ich hatte keinen Schlaf gefunden, denn die letzten Jahre waren voller solcher Emotionalität, wir hatten gelacht und geweint, meine Gruppe hatte sich getrennt und wiedergefunden – ich hatte Menschen getroffen, die mich mit ihren Geschichten sehr berührt hatten, es ging um Krankheiten, Verluste, Freundschaft und Liebe. Als ich entschloss früh aufzubrechen und meinen Rucksack zusammenpackte, viel mir auf, dass meine Regenjacke verschwunden war. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte meine innere Furcht; es regnete in Strömen. Ich schaute im Aufenthaltsraum nach und fand sie nicht, fragte einige Pilgern die schon wach waren und auch die Hospitaleros, doch alle hatten keine Ahnung, wo sie sein könnte. Und auf einmal dachte ich; ok, ich höre auf, dies ist das Ende meines Jakobsweges. Ich möchte nicht weiter – ich kann nicht weiter. Ponferrada ist eine große Stadt, es wird einen Bus nach Madrid geben und ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich saß im Aufenthaltsraum der Herberge und begann zu weinen. Vielleicht versteht mich hier der eine oder andere Pilger, warum der Verlust einer Regenjacke zu solchen emotionalen Ausbrüchen führen kann., es ist einfach das Gefühl, dass du den Weg nicht mehr im Griff hast, sondern der Weg dich. Ich begann also im Internet nach Busverbindungen zu suchen und meine Reise zurück nach Madrid zu planen, als auf einmal die Tür der Albergue aufging und eine etwas ältere Frau mit Pilgerrucksack hinein trat uns zu mir auf Spanisch sagte: „Ich habe deine Jacke vor 25km gefunden und möchte, dass du sie nimmt und deinen Weg weiter nach Santiago gehst“.

Uffff. Das saß. Es war um kurz vor sechs Uhr morgens. Nur wenige Pilger waren überhaupt wach und Ponferrada war eine wirklich große Stadt mit zahlreichen Alberguen. Was machte diese Frau hier? Warum kam sie genau um diese Zeit in unsere Herberge? Und warum hat sie genau das zu mir gesagt, was sie gesagt hatte? Ich weiß es nicht. Und auch die Pilgerin wusste es nicht, sie hatte einfach das Gefühl gehabt, in diese Herberge kommen zu müssen. Natürlich kann es Zufall sein, doch viele Zufälle dieser Art auf dem Jakobsweg zeigten mir, dass der Camino für mich sorgte. Ich setzte meinen Weg fort und wurde Tage später noch von vorher unbekannten Pilgern gefragt, ob ich das Mädchen mit der gefundenen Regenjacke sei.

Definitiv ist meine Geschichten nicht die einzige dieser Art, es gibt unglaublich viele Geschichten, so wie zum Beispiel von Taxen, die aus dem Nichts mitten im Wald erschienen, wenn ein Pilger an den Enden seiner Kräfte war, von Wanderstöcken, die am Wegrand stehen, wenn man seine eigenen verloren hat, es ist die Einladung zum Abendessen, wenn man am Ende seiner Kräfte in eine Herberge kommt und jemand dort anbieten, doch bitte mitzuessen. Es sind mal kleine oder auch große Geschichten. Mal ist es die Regenjacke, mal der gefundene Schlüssel. Eine andere Pilgerin erzählte mir, dass sie ohne Wasser gestartet sei und in der Meseta von einem Pilger eine Flasche geschenkt bekam.

Der Weg gibt dir, was du brauchst

Dies gehört zur Magie des Weges. Nämlich das Wissen nicht alleine zu sein und dass der Weg weiter geht. Dass man sich nicht sorgen muss, da sehr oft für einen gesorgt wird. Es sind die Pilger untereinander, die als große Gemeinschaft sich gegenseitig stützen, es sind Begegnungen, es sind kleine Weggaben, es sind Geschichten, die von ähnlichen Lebenssituationen handeln, Ideen und Inspirationen und es ist die helfende Hand, die dafür sorgt, den Zauber des Weges weiterzutragen.

Falls ihr auch eine schöne Erfahrung dieser Art gesammelt hat oder gehört habt, würde ich mich freuen davon zu hören, entweder per Mail oder hier in den Kommentaren.
Ultreia!


Hier geht´s zu Über die Magie des Weges Teil II 🙂

Vorurteile über den Jakobsweg

Achja, Vorurteile über den Jakobsweg gibt es zuhauf. Gibt es einen anderen Weg, der mehr von Vorurteilen geprägt ist?

So glauben doch viele Menschen, dass der Jakobsweg, der Camino etwas für Aussteiger oder Spinner sei.

Etwas für strenggläubige Katholiken oder pendelnde Esoterikfreaks, etwas für Menschen mit Depressionen und Angst vor dem „realen“ Leben, etwas für Sünder auf der Suche nach Ablass, für Weltverschwörer und so wieter und so weiter. Ich schreibe das alles mal ganz direkt, da ich das alles schon in meinem Umfeld so oder so ähnlich gehört habe.
Und dazu sage ich nur zu den lieben, nennen wir sie mal Camino-Kritikern – schön, dass ihr rundum glücklich seid mit eurem Lebensweg. Schön, dass ihr euer Leben und euch selbst auch in eurem Alltag reflektieren könnt und dazu die „Sicht aus der Ferne“ nicht braucht, schön, dass ihr immer „auf der richtigen Spur seid“, die richtige Abzweigung nehmt, die richtige Geschwindigkeit habt, dass euch Medien und Menschen nicht zu viel beeinflussen und ihr euer Medienkonsum (oder jeglichen anderen) immer im Griff habt. Schön, dass ihr nicht nur über Oberflächliches in eurem Alltag redet, sondern auch eure Mitmenschen sich gerne mit Themen wie dem Leben, der Zukunft und dem Sinn hinter allem oder vielem befassen. Schön, dass ihr bewusst lebt und nicht nur euch selbst seht in eurem Spiegel, sondern auch eure Mitmenschen und schön, dass ihr den Camino „nicht braucht“, da euer Alltag wunderbar erfüllt ist. Das ist toll! Und ich freue mich wirklich und mit ganzem Herzen, dass ihr erfüllt seid.
Doch für all die, die leider nicht so hundertprozentig erfüllt sind, nicht ganz ihren Weg finden, nicht wirklich neue Wegweiser in ihrem Leben sehen, ist der Camino eine Chance, eine Möglichkeit – nicht jedoch eine Garantie – sondern eine Chance sich selber und sein Leben zu reflektieren und mit sich uns seiner Umwelt in Einklang zu kommen. Vielleicht mal das Handy wegzulassen, E-Mails nicht zu beantworten und sich körperlich und geistig bis an seine Grenzen zu bringen.

Der Camino ist ein Geschenk und eine Herausforderung für alle möglichen Ziele.

Wer einfach eine sportliche Herausforderung sucht, wird sie hier finden. Wer Gemeinschaft sucht, wir sie finden. Wer Medien-Entzug sucht, bekommt hier die Möglichkeit in den Pyrenäen in ein Funkloch zu geraten … und und und. Lass dich einfach auf den Jakobsweg ein und bestimme selber, was du von deinen Begegnungen und Erfahrungen hälts und lies vielleicht das, was Thomas Morus schon im 15. Jahrhundert sagte:

Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben.

PS: Und ja, auch ich habe viele interessante und vielleicht auch merkwürdige Dingen erlebt und einige besondere Menschen getroffen; mir wurde in den Händen gelesen, die Zukunft vorhergesagt und meine Aura analysiert.

Ob ich das alles glaube? Eher nicht!
Manches? Vielleicht ein bisschen
(- immer nur das Gute :))!

Warum denn bloß alleine reisen?

Oft werde ich gefragt warum ich gerne alleine reise. Gerade im Bezug auf den Jakobsweg ist das immer mal wieder Thema. Letztes Jahr war es so, dass ich, wirklich alleine gehen wollte. Ich wollte die Erfahrung machen, wie es ist, auf mich selber gestellt zu sein und mein eigenes Tempo vorzugeben. Und ich wollte mich alleine um meine sieben Sachen kümmern und lerne sehr gerne neue Leute kennen.

Alleine bist du frei, offen für Gespräche und neue Begegnungen – das genieße ich sehr!

Es gibt auf dem Jakobsweg sehr viele Leute, die auch alleine sind und die sich über Begleitung auf einer Wegstrecke freuen, manchmal werden daraus auch Tage und Wochen, das hängt alles davon ab, wie man das magst – aber, dass man 800km alleine ist, obwohl man sich Begleitung wünscht, habe ich auf dem Camino bis jetzt nicht erlebt. Meine Gruppe war letztes Jahr bunt gemischt und durcheinander.

Alleine reisen heißt mit sich sein

Die Konstellationen änderten sich öfters und so lief ich die ersten Tage mit 3 Medizinstudentinnen aus Australien, Kanada und London, später mit Mariah aus Australien und traf dann Leo aus Brasilien, der mich die meiste Zeit auf dem Weg begleitete. Mit dem Brasilianer, traf ich noch die liebe Mayra aus Mexiko und Josie aus Deutschland, bis sich auch diese Gruppe wieder trennte und sich eine Camino-Familie bildete mit meinem Lieblingsbrasilianer, dem wunderbaren Jorge aus Spanien, Mary aus NYC mit ihrer unglaublichen Lebensgeschichte und dem zweiten Brasilianer im Bunde: Rogerio. Mary aus NYC möchte ich besonders erwähnen, da sie uns mit ihrer Lebensgeschichte wahrlich in den Bann zog. Man könnte nicht nur einige Seiten dieses Blogs mit ihrer Geschichte füllen, sondern bestimmt auch das ein oder andere Buch. Lasst mich nur so viel sagen, dass Mary eine gute Bekannte Fidel Castros war und uns unter anderem von einigen lustigen Tanzabenden mit ihm erzählte.

Ihr seht also – auf dem Camino ist man nicht alleine.

Falls man sich dies aber wünscht, geht das auch ganz einfach – entweder ihr lasst euch zurückfallen oder zieht das Tempo an 🙂 (wobei meiner eigenen Erfahrung nach das Zurückfallenlassen die bessere Idee ist…).

Einmal Jakobsweg – immer Jakobsweg?

Wie oft habe ich letztes Jahr geweint, gelacht, Menschen auf diesem Weg verloren und wiedergefunden. Im Verlaufe meiner 30 Tage auf dem Camino hatte ich Menschen getroffen, die in kürzester Zeit zu einer Familie wurde.

Meine internationale Jakobsweg-Familie 2017

Ich habe Leo aus Brasilien getroffen, der schon nach 4 Tagen für mich zu wie ein Bruder wurde. Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich ihn getroffen habe und unendlich dankbar, dass diese Freundschaft auch weiterhin besteht und ich ihn im Sommer besuchen werde. Ich bin dankbar für Mariah aus Australien, Mayra aus Mexico, Andrea aus Italien (bei dessen Familie ich den Sommer am Gardasee verbringen durfte), KM und SK aus Korea und Jorge und Chechu aus Spanien, die beide am Camino wohnen und die ich in Logroño und Santo Domingo de la Calzada besuchen werde.
Es war eigentlich auch dieses Jahr überhaupt nicht geplant den Camino zu laufen. Aber es kam dennoch irgendwie anders.

Wie sagt die Pilger-Community so schön: „Der Jakobsweg ruft dich!

Na mal schauen, was dieses Jahr davon stimmt…. Es war eigentlich geplant eine Réunion in Santo Domingo de la Calzada bei Jorge mit meiner Camino-Family zu halten, doch wie das Leben so spielt, war ich die einzige, die es auch wirklich schaffte ein Ticket zu buchen und mir mit Müh und Not ein bisschen Freiraum im Alltag zu schaffen. Jedoch buchte ich erstmal nur den Rückflug. Und umso mehr ich darüber nachdachte, dass es doch bestimmt merkwürdig sein würde, in Santo Domingo und Logroño zu sein, ohne selbst zu pilgern – entschloss ich mich auch dieses Jahr wieder meinen Pilgerrucksack zu packen und loszuziehen.

Nun also auf – wieder auf den Camino, wieder nach Spanien.

Und um ehrlich zu sein, habe ich auch Bedenken. Möchte ich in den selben Alberguen übernachten, die selben Wege gehen, die selben Gefühle haben, wie letztes Jahr? Geht das denn? Können wir den selben Ort gehen, den wir so sehr mit unseren Emotionen und Erfahrungen zu „unserem“ Ort gemacht haben? Zu unseren Vorstellungen? Aber gerade, da ich Furcht habe, den Weg nochmals zu gehen, da ich nicht weiß ob ich glücklich sein werde und ob es wieder so eine schöne Erfahrung wird – werde ich genau das tun! Wie nach einem Unfall, man wieder genau das tun soll, bei dem man gestürzt ist, nur umgekehrt. Mir hat der Camino unglaublich viel gebracht letztes Jahr, es war kein Unfall sondern ein Glücksmoment. Es gab sehr viele Höhen und Tiefen und wahrscheinlich habe ich mich in manchen Punkten, Zielen und Zeichen auch „verrannt“, aber auf jeden Fall steht fest, dass der Camino die prägendste Reise meines Lebens war und mich sehr verändert hat. Denn vielleicht ist ja der Camino wie ein Rad, wie unser Rad des Lebens. Vielleicht können wir ja immer einsteigen und der nächste Tag in SJP ist wie der Tag nach Santiago und wir erleben all das was wir erlebt hätten, wenn es einen weiteren Tag auf dem Camino gegeben hätte.

Das hoffe ich zumindest :)!