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Camino Tag 4: Vergeben, vergessen!?

Puente la Reina, 18,5km

Heute waren wir auf dem Alto de Perdón. Ist es schwieriger sich selber zu vergeben oder eher denjenigen, die sich uns gegenüber auf irgendeine Art und Weise „schuldig“ gemacht haben? Denn heißt vergeben, nicht „Schuld zu erlassen“? Und heißt das wieder rum, das Vergebung immer mit persönlicher Schuldzuweisung zusammen hängt? Denn wie kann ich vergeben, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass mir Unrecht getan wurde? Und ist „Unrecht“ nun also mit meiner persönlichen Moral gekoppelt, mit meinen persönlichen Erwartungen? Erwartungen heißt, dass ich selbst diejenige oder derjenige bin, die durch meine Haltung und meine Gedanken „Unrecht“ empfinden kann, denn ich meine mit diesem Unrecht keine strafrechtlichen Gesetzesbrüche und sagen wir „klare Grenzüberschreitungen“, sondern das kleine Unrecht des Alltags, denn das ist das Unrecht das ich kenne und das der ältere deutsche Pilger meinte, mit dem ich am Flughafen über den „Alto de Perdón“ (auf Deutsch: Höhe/Berg der Vergebung) sprach.

Nach christlicher Pilgertradition ist dies der Berg auf dem man Menschen vergeben soll, die einem auf irgendeine Art und Weise Unrecht getan haben, bevor in Santiago de Compostela einem jeden Pilger von höchster kirchlicher Instanz selbst vergeben wird. Und obwohl ich nicht an den Sündenerlass in Santiago glaube, ist es trotzdem ein guter Moment inne zu halten und darüber nachzudenken Wem man selber vergeben sollte, um Situationen, Erinnerungen und Menschen nach und nach loslassen zu können.

Meine Füße schmerzen heute nicht mehr und auch der Rucksack fühlt sich nach und nach leichter an. Trotzdem beschlossen wir ein bisschen kürzer zu treten 🙂 und es bei etwa 20km zu belassen, um erst morgen in Estella/Lizarra anzukommen.


PS: Sorry, falls es mit der Kommentar Freischaltung etwas dauert, aber es gibt ein paar Probleme mit dem WIFI :).

6 Kommentare

  1. Jannes sagt

    Schöner Artikel! Super cool, dass du uns auf deine Reise mitgenommen hast! Markus ist auch total begeistert. Willst du uns nächstes Jahr vielleicht mitnehmen?
    Wir drücken dich!!!!

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