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Vorbereitungen für den Jakobsweg

Über die Frage „Brauch ich das denn alles überhaupt?“

Was brauche ich denn alles für den Jakobsweg und wie gut muss ich mich für meine mehrwöchige Pilgerreise vorbereiten?

Dazu muss ich ehrlich sagen, dass ich mich im ersten Jahr überhaupt nicht vorbereitet hatte :). Weder meine Schuhe waren eingelaufen, noch eine Isomatte wurde gekauft und die Anziehsachen, die ich dabei hatte, waren alle von Familienmitgliedern geliehen oder ausrangiert gewesen. Das einzige, was ich mir für diese Reise wirklich kaufte, waren neue Schuhe und hier auch sehr günstige und eine leider sehr teure Regenjacke, die ich ja sogar auf dem Weg verlor und wie durch ein Wunder wieder fand (siehe hier).

Aber ich merke schon selber, wie ich mich einen Monat vor meinem Abflug und meiner zweiten Jakobswegreise durch alle möglichen Outdoor-Seiten klicke; Globetrotter hat super Angebote, dann noch schnell bei Osprey nach Schnäppchen gucken, ach und wenn man schon mal dabei ist, ….

Aber mal ganz ehrlich, braucht man, das denn alles?

Die „super-douber-high-functional-ultra-leight-waterproof-antiinsect – Isomatte? Mhmm, also – für den Jakobsweg von März-Juni eher nicht! Ja, ok – aber die „formstabilen-air-puls Hikingschuhe mit bio-zertifiziertem, geschmeidigen und handgeschliffenen Nubukleder made in Germany?“ Und was ist mit dem nach einem behaarten Fabelwesen des Himalayas (Kenner wissen, welche ich meine) benannten Schlafsack, mit „ultralight Function und integrierter 3-lag. Fußbox, …“- ich meine doch, gehört zu haben, den braucht man sicher bei diesem Wetter und in den Pyrenäen sowieso!!! Das Problem ist nur, dass dieses Leichtgewicht etwa 1,3kg wiegt und gerne nach der ersten Pyrenäenetappe via Post nach Hause gesendet wird (stimmts, Leo.. 😉) – außerdem braucht man keine Isomatte vor der Hochsaison, da man sicher irgendwo ein Bett bekommt.

Man braucht vieles also wirklich nicht!

Und spezielle Outdoor-Produkte habe ich 2017 nicht gebraucht, um von Pamplona in das etwa 730km entfernte Santiago de Compostela zu Fuß zu gelangen.

Aber gehe ich hier in ein Outdoor-Geschäft und sage, dass ich den Jakobsweg laufen möchte, komme ich mit etwa 5 Artikeln wieder raus und 3 davon werde ich bestimmt innerhalb der Reise entweder verschenken oder nach Hause schicken.

Denn mit den Bedenken man sei nicht gut vorbereitet, wird hier Geschäft gemacht.

Es ist super schwer, sich mehrere Wochen lang nur auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und dabei fängt doch alles schon beim Packen an. Statt sich wirklich nur auf „wesentliche“ Dinge zu konzentrieren und möglichst wenig mitzunehmen, wird auf einmal alles „multi-function“. Trotzdem macht es natürlich Sinn, seine Schuhe einzulaufen und vorher Übungsstrecken zu gehen und eine gute Packliste zu haben. Jedoch kann man nicht planen, was passieren wird – alles kommt, wie es kommt. Man kann nicht beeinflussen, ob man den Weg wirklich schafft, oder vielleicht mal eine Tagesetappe mit dem Bus fahren muss.

Aber falls man also etwas vergessen haben sollte, gibt es viele Möglichkeiten auch auf dem Jakobsweg Schuhe, Funktionskleidung und andere Utensilien zu kaufen. So gibt es zum Beispiel in Estella einen riiiiesigen Decathlon-Laden (Calle Carlos VII, 27, 31200 Estella, Navarra, eine Tagesetappe hinter Puente la Reina, geöffnet Mo-Sa 09:30Uhr-21Uhr).

Trotzdem habe ich einige Tipps und Empfehlungen, die ich hier gerne mit Euch teile:

  • Vorfreude stärken
  • Packliste
  • Passende  Schuhe
  • Weitere nützliche Dinge, die man unbedingt dabei haben sollte
  • Anfahrt
  • Erste Übernachtung

Vorfreude stärken

Um sich seelisch einzustimmen und seine Vorfreude zu stärken empfehle ich den Jakobsweg-Film „The Way“ mit Martin Sheen. Dieser ist der beste Jakobswegfilm den ich kenne und es reist einen im Anschluss fast aus dem Sofa in Richtung Spanien :). Unbedingt anschauen!!!

Natürlich gibt es auch viele Bücher zum Thema Jakobsweg. So zum Beispiel den Klassiker von Hape Kerkeling – „Ich bin dann mal weg“ oder von Paulo Coelho „Auf dem Jakobsweg ‑ Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela“. Gerne erleichtere ich Euch noch die Vorbereitung mit einer Packliste. Mit freundlicher Genehmigung von Raúl Etto poste ich hier seine Packliste, die ich nur minimal veränderte. Er schrieb nach seiner Jakobswegwanderung im Jahre 2015 (von Roncesvalles bis nach Santiago zu Fuß) ein Buch über seine Reise. Es ist wirklich ein super Buch und übrigens sehr zu empfehlen für Menschen, die gerne den Camino laufen würden, aber sich scheuen in Pilgerherbergen zu übernachten (ISBN am Ende meines Artikels). Ich habe mich letztes Jahr an seine Packliste gehalten und etwa 6,5kg Gepäck gehabt.

Packliste für den Jakobsweg (diese Packliste ist aus dem Buch von Raúl Etto (Link)*)

Packliste für 6 Wochen
Das Gewicht des gesamten Gepäckes sollte 10% des Körpergewichtes nicht übersteigen. Überflüssiges Gepäck kann in jeder größeren Stadt mit der spanischen Post nach Hause gesendet werden (Achtung teuer).

  • Wäsche
    · 2 Paar Wandersocken
    · 1 Paar normale Socken
    · 3 Paar Unterhosen (Funktionsunterwäsche)
    · 3 Paar Unterhemden (Funktionsunterwäsche)
    · 1 T-Shirt lang, dünn
    · 1 T-Shirt lang, dick (gefüttert)
    · 1 T-Shirt kurz, dünn
    · 1 Schlafanzug
    · 2 Leggins
    · 1 Handtuch/Mikrofaser
    · 1 „Zipp“-Wanderhose
    · 1 Regenjacke
    · 1 Wollmütze (wenn im März gestartet wird)
    · 1 Schal (buff) –> habe ihn als Sonnenmütze und Schal benutzt
  • Schuhe
    · 1 Paar mittelschwere Wanderschuhe (keine Kletterschuhe)
    · 1 Paar leichte Straßenschuhe (man liebt sie am Abend)
    · 1 Paar Badelatschen/ Flip-Flops
  • Sonstiges
    · Personalausweis (muss in jedem Hotel vorgelegt werden)
    · Pilgerausweis, Stempelkarten
    · Geld und Kreditkarten
    · Handy und Ladegerät
    · 1 Wanderrucksack (Leergewicht < 1 kg)
    · 1 Mini-Stadtrucksack (100 g)
    · 1 Lesebuch + 1 Tagebuch, Stifte
    · Brillen / Sonnenbrillen
    · Toilettenartikel
    · Medikamente, Pflaster, Blasenpflaster, 2 große Mullbinden
    · Handwaschpaste (jeden Abend Wäsche waschen)
    · Sonnencreme
    · Hirschtalg (morgens und abends für die Füße, ohne geht nicht)
    · 4 Müsli-Riegel, 4 Traubenzuckerstangen, 1 Dose Salz (im Sommer)
    · 1 Liter Wasserflasche
    · 2 große Müllbeutel (zum Einwickeln der Wäsche im Rucksack bei Regenwetter)
    · 1 Taschenmesser mit Weinöffner
    · 1 Klappmesser (zurück gesendet)
    · 1 Isomatte und ziemlich teurer Schlafsack (zurück gesendet) 
    · 1 Taschenlampe
    · 1 Pfefferspray (benötigt, wegen streunender Hunde)
    · 1 sog. Sorgenstein für Cruz de Ferro (von zu Hause oder Beginn des Weges)
    · 1 Jakobsmuschel (am Rucksack, Erkennungszeichen der Pilger)
    · 1 Pilgerstab oder ein paar Wanderstöcke (ohne geht nicht!)

    Camino Packliste

    Packliste aus dem Buch von Raúl Etto „Jakobsweg für Manager

Passende Schuhe

Es gibt alles Mögliche an Schuhen; bei meiner Recherche habe ich nun gelernt, dass es Hikingschuhe, Hikingstiefel, Approach-Schuhe, Wanderschuhe, Wanderstiefel, Trekkingstiefel und Bergstiefel gibt, also eine wirklich große Auswahl.

Und welche sind nun die richtigen Schuhe für den Jakobsweg?

Sind die teuersten denn automatisch die besten? Erste Empfehlung sind unbedingt Schuhe ohne hohen Schaft! Bei den mehrwöchigen Wanderungen auf dem Jakobsweg scheuert es schnell und es müssen neue Schuhe auf dem Weg gekauft werden. Mein absoluter Favorit sind diese: Link zu den CMP-Schuhen nach amazon.de 

Schuhe auf dem Jakobsweg

Diese Schuhe von CMP sind sehr günstig, deswegen habe ich mich letztes Jahr hierfür entschieden und dabei sogar einen Glückstreffer gelandet. Ich hatte hiermit und der Hirschtalgcreme keine einzige Blase nach 730km Laufen. Die Schuhe sind der Wahnsinn! Ich hatte keine nassen Füße in meinen Schuhen, habe nicht in ihnen geschwitzt und es hat nicht gedrückt. Ich bin sie nicht mal eingelaufen und einfach damit gestartet. Sehr zu empfehlen!!

Weitere nützliche Dinge, die man unbedingt dabei haben sollte

Ich könnte einen ganzen Artikel über Hirschtalgcreme schreiben, denn Dank ihr und meiner super Schuhe, hatte ich letztes Jahr keine Blasen. Außerdem sehr zu empfehlen ist eine Stirnlampe. Gerade in Pilgerherbergen, wenn viele noch schlafen und das Licht noch nicht an ist, hat man so beide Hände beim Zusammenpacken frei und kann sich in aller Frühe auf den Weg machen.

Hier seht ihr ein kleines Video von meinem Lieblingskoreaner KM, den ich 2017 auf dem Jakobsweg treffen durfte und der diesen Film über unseren Camino gedreht hat.

Anfahrt

Letztes Jahr flog ich nach Bilbao und von dort ging es nach Pamplona. Mein Busticket kaufte ich am Busbahnhof in Bilbao, das hat alles wunderbar geklappt und mit mir waren auch schon dort viele Pilger unterwegs.
Falls Ihr ab SJP starten möchtet, würde ich den Bus schon im Vorfeld buchen, da es gerade in der Sommerzeit sehr voll wird und die Plätze begrenzt sind.

Gute Seiten sind hier:
www.ALSA.com oder www.busbud.com

Erste Übernachtung

Gerade, wenn man alleine seine Pilgerreise startet, hat man natürlich viele Bedenken. Wie die Angst, dass etwas auf dem Weg in Spanien passieren könnte. Und man kennt ja auch niemanden! Deswegen habe ich letztes Jahr ein schönes Hostel in Pamplona gebucht und dort gleich Anschluss gefunden. Abends war ich spontan mit ein paar Madrider-Studenten, die ich dort kennen lernte und die an der Filmhochschule eine Projektwoche zum Thema „Jakobsweg“ machten, essen und traf dort auch die drei Medizinstudentinnen aus den USA, Australien und Canada, mit denen ich gleich am nächsten morgen auf den Pilgerweg startete.

Pilgerfreundschaften vom Jakobsweg

Für den Start in Saint-Jean-Pied habe ich mir eine Übernachtung in der privaten Herberge „Beilari“ in Saint-Jean-Pied-de-Port gebucht.Sie ist zwar etwas teurer, als die gängigen Herbergen, jedoch gibt es ein gemeinsames verpflichtendes Abendessen, welches auf die Pilgerfahrt einstimmen soll. Ich kann es nur empfehlen!!!

Falls du nur eine Woche Zeit hast und einfach ein bisschen „Pilgerluft“ schnuppern magst, schau doch gerne hier vorbei: Gesagt, getan. gelaufen. Hier geht es zu meinem Reisebericht auf dem Jakobsweg 2018 und dem Reisebericht 2019. Meine Erfahrungen als Hospitalera, könnt ihr hier lesen.


Anm.: Ich kooperiere mit keinem Unternehmen und gebe in diesem Artikel nur meine persönliche Meinungen und Erfahrungen wieder.

Packliste aus dem Buch:

Raúl Etto – Jakobsweg für Manager: Die Business Class geht pilgern

ISBN-13: 978-3732354924

Oder über Amazon.

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