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Was bedeutet es, ein „Pilger“ zu sein?

Carolina Travelina

Was ist denn eigentlich ein Pilger? Wikipedia sagt hierzu: Pilger, veraltet auch Pilgrim („Fremdling“), stammt vom lateinischen Wort peregrinus (oder peregrinari, „in der Fremde sein“) ab. Außerdem heißt es hier, dass „Pilgern“ das Reisen auf einer Wallfahrt, bezeichnet. Also heißt Pilgern demach, ein Reisender in der Fremde auf einer Wallfahrt zu sein? Und was bedeutet Wallfahrt?

Wallfahrt kommt vom deutschen Wort „wallen“, was wiederrum vermutlich aus dem westgermanischen kommt und so viel bedeutet wie „sieden“, „strömen“ oder „bewegen“. Wie sagt Goethe so schön in seinem „Zauberlehrling“?

„Walle, walle – manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße!“

– Johann Wolfgang von Goethe

Wallen heißt also sich bewegen, sich aufzumachen und im übertragenden Sinne auch auf der Suche zu sein. Die katholische Kirche übersetzt die Wallfahrt mit „der Sehnsucht Gott in heiligen Stätten nahe zu sein“. Dieser Auffassung nach, geht es also vorallem um das Besuchen eines Heiligtumes, um Büße zu tun und auch Gelübde abzulegen, um den Glauben und Bekentnisse zu erneuern – ganz allgemein um Religion.

Nahezu überall in Spanien wird man von den Einheimischen gefragt:

„Eres und peregrino? – Bist du ein Pilger?“.

Wir alle haben unsere Credencia (Pilgerpass), kaufen ein Symbol des Weges – die Pilgermuschel und oft auch einen Pilgerstab. Doch nicht alle (und nur wenige die ich traf) liefen den Weg aus katholischer Überzeugung. Doch heißt Pilgern auf dem Jakobsweg also nur sich „in der Fremde auf den Weg nach Santiago (einem Heiligtum)“ zu machen? Ich denke nicht. Aber ich denke, dass das Wort Wallfahrt es ganz gut trifft. Die meisten Menschen, die ich auf dem Jakobsweg in Spanien getroffen habe, waren in „Bewegung“. In „Bewegung“ heißt also auch in „Wallung“. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Bewegt durch äußere Umstände, wie den Verlust des Alltags durch alle möglichen Schicksalsschläge oder innere, wie Krankheit.

In Bewegung sein, Wege finden, eine Richtung einschlagen, das alles kann man auf einer Wallfahrt erleben.

Meine Lieblingsmetapher zu diesem Thema stammt von dem Verfasser des „Kleinen Prinzen“, nämlich von Antoine de Saint-Exupéry. Er schreibt in seinem Lettre à un otage (Brief an einen Ausgelieferten) folgendes:

„Nous sommes l’un pour l’autre des pèlerins qui, le long de chemins divers, peinons vers le même rendez-vous. – Wir alle sind Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zu wandern.“

– (frei übersetzt) Antoine de Saint-Exupéry

Diese schöne Metapher erinnert mich sehr an den Jakobsweg. Sind wir nicht alle irgendwie Wanderer, Pilger oder Suchende die von verschiedenen Wegen aus kommend einem gemeinsamen Treffpunkt zu wandern? Für manche ist der Treffpunkt Santiago de Compostela und das Grab des Apostels. Für andere ist es ein Treffpunkt im Geiste. Und wieder andere Suchen und Finden auf dieser Pilgerreise ihren Glauben, Gott und auch sich selbst.

Ultreia!

6 Kommentare

  1. Gisela und Harald sagt

    Hallo liebe Enkelin,
    prima was Du hier für eine tolle Idee hast.
    Wir sind gespannt auf Deine künftigen Erlebnisse!
    Viele Grüße Oma & Opa

    • Carolina Travelina sagt

      Hallo liebe Großeltern :),
      ich freue mich, dass ihr hier vorbeischaut.

      Bis bald und liebe Grüße
      Carolina Travelina

  2. Holly sagt

    Hi Carolina,

    schönen Blog schreibst du da!
    Wir werden dich natürlich auf deiner Pilgerreise begleiten und freuen uns, dass du wieder unterwegs bist :). Melde dich, falls du bei uns in der Gegend bist.

    LG Holly + Tian

  3. Nadine sagt

    Liebe Carolina,
    was für ein toller Blogpost. Und wie recht du hast! Wir sind alle Wanderer, die versuchen ihren Weg zu finden in dem größten Abenteuer , das sich nennt „Leben“.
    Ich bin gespannt, was dein Weg sein wird.
    LG Nadine 🙂

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