gedanken, jakobsweg, reisebericht jakobsweg 2018
Kommentare 3

Camino Tag 10: (Ge-)danken

Santo Domingo de la Calzada, 4km

Heute ist ein Tag an dem ich meine eigene Weltanschauung ein bisschen korrigieren muss und feststelle, dass ich ziemlich dankbar sein darf und auch muss für alles was ich hier gerade erlebe und „bekomme“. Und ich glaube auch, dass ich ein wenig undankbar war – denn ich weiß noch, wie ich mich letztes Jahr einige Monate nach dem Camino und einigen Hochs und Tiefs ziemlich geärgert hatte, dass ich auf dem Camino so viel gegeben hatte. Nicht nur emotional hatte ich sehr viel investiert, allgemein kam es mir einige Monate nach meinem Jakobsweg so vor, dass das Leben ein wenig ungerecht ist. Denn ich hatte das Gefühl, dass ich auf dem Weg mehr gegeben als genommen hatte.

Und nun aus einiger Distanz betrachtet, schäme ich mich etwas für meine Gedanken. Denn was ich die letzten Tage alles für Einladungen und Geschenke bekommen habe ist unglaublich! Dieses Jahr bin ich wohl der „Nehmer“ und letztes Jahr bin ich eben ein bisschen mehr der „Geber“ gewesen – doch die Balance ist mehr als nur da, sogar fast ein wenig zu viel zu meinem Gunsten! Denn nach all den Einladungen in Restaurants, Freibiers und Geschenken wird mir bewusst, dass es nicht immer gleich eine Balance gibt, denn mir wurden in den letzten 10 Tagen unter anderem ein Shirt, Handschuhe, zwei Pilgermuscheln, ein Lippenstift, ein Mp3-Stick, zwei Cremes, ein paar Socken, ein Ring, eine Kette, viel viel Liebe, Komplimente, tausende von Lächeln, gute Gedanken … geschenkt. Viel viel mehr als ich in den letzten Tagen investiert habe! Und ich muss sagen, dass ich mehr als nur glücklich sein darf! Und es auch bin :). Erst heute Morgen zum Beispiel wurde ich in dem Hostel „El Molino de Floren“ in Santo Domingo de la Calzada von den Besitzern des Hostels zum Frühstück eingeladen und möchte hier auch gerne ein bisschen Werbung für die schöne Unterkunft machen (Link).

Ich hoffe ich kann mir diese Gedanken ein wenig behalten, wenn ich ein nächstes Mal das Leben als ungerecht empfinde :). Denn wie oft vergessen wir, dass wir nicht zwingend von den Menschen Dankbarkeit erwarten dürfen, denen wir auf irgendeine Art und Weise ein Geschenk gemacht haben. Seien es nur ein paar nette Worte, sei es irgendeine Gabe. Und überhaupt ist es nicht gerade die hohe Kunst, einfach nur zu Geben? Ich denke ich brauche noch ein paar Tage auf dem Camino, um reinen Herzens dem Weg zu vetrauen, aber möchte auf diesem Wege einmal „Danke“ sagen an all die lieben Menschen, die mich täglich unterstützen, mich beschenkt haben (jeglicher Art und Weise) oder auch dem lieben Leser, der das gerade liest.

Merci!

Gracias!

Danke!


Anm.:

Die heutige Pilgermesse hatte durch Zufall das Thema „Don“, was Gaben heißt und es war genial, dass der Priester, kurze Zeit nachdem ich meinen Beitrag verfasst hatte, genau dieses Thema zum Thema der heutigen Messe machte – Camino-Spirit 🙂

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.